Mit „Helmut Schmidt am Klavier“ bedient der Autor Lehberger unsere Sehnsucht, ein Kanzler der Bundesrepublik sollte durch Charisma, durch Talente und bei mächtigen Freunden in aller Welt auf hohe Anerkennung treffen.Wissenschaftlich und unaufdringlich lenkt Lehberger den Monitor auf die Herausforderungen, die für die Biographie von Helmut Schmidt prägend waren. Und Lehberger liefert wertvolle Hinweise und Zusammenhänge, wo dieser Kanzler seine Energien gewann ... und was ihn erdete:seine virtuosen Klangerlebnisse mit weißen und schwarzen Tasten - Sinnbild gegensätzlicher Interessen von West und Ost - sind als allegorische Komposition zu verstehen, als Melodien für sein Verständnis einer Sicherheitsarchitektur nicht nur für Europa, sondern für die Welt. Auch der von ihm konstruierte Nato-Doppelbeschluss wird menschlicher, wenn man die Liebe dieses Kanzlers zu Klavier und Musik versteht.Um es mit Beethoven zu sagen: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“.So wächst nach der wunderbaren Lektüre dieses neuen Werkes von Reiner Lehberger der Wunsch, die heute agierenden, politischen Akteure mögen anlässlich der aktuellen Welt-Themen, die eine Dominanz der dunklen Tasten testieren, eine Melodie auf dem Klavier der Macht spielen können, die der schwierigsten aller Tonarten, der GIS-Dur, folgt.
„Helmut Schmidt am Klavier“ von Reiner Lehberger habe ich gern gelesen. Ein spannendes, aufschlussreiches, unterhaltsames Werk, das sich angenehm lesen ließ.Das Buch ermöglicht ungewöhnliche Einblicke, man entdeckt die weniger bekannten Seiten an Schmidt und den Seinen, welch große Rolle die Musik in ihrem Leben gespielt hat.Das Buch erzählt auch ein Stück der deutschen Geschichte aus dieser recht unbanalen Perspektive, bringt die Gegebenheiten der damaligen Zeit nahe, was ich als interessant und bereichernd empfand, z.B. dass Schmidt ein Bach-Verehrer war und seine Kompositionen von der philosophischen Perspektive her auch in seine politischen Entscheidungen miteinfließen ließ, dass er aus dem Wohltemperierten Klavier Bachs Stücke, gerade nach harten Tagen, spielte; dass er ein Mozart-Konzert miteingespielt hat.Mir war vorher gar nicht bekannt, vllt wie auch vielen anderen heutigen Lesern, dass Helmut Schmidt von Kindesbeinen Klavierunterricht hatte, dass er sich während des Krieges Leiklaviere angeschafft hatte, um in der freien von der Wehrmachtdienst Zeit üben zu können, dass er auch Orgelspielen gelernt hatte und später eine große Bedeutung dem Musikunterricht in den Schulen beimaß.Das geniale Coverfoto hat mein Interesse an diesem Thema geweckt. Wer auf dem Foto ist, wann es aufgenommen wurde und wie es dazu kam, wird gleich zu Anfang erzählt und ein Bogen zum Anfang bis zum Schluss gezogen.Fazit: Ein schönes, bereicherndes Werk. Wer Helmut Schmidt von dieser ungewöhnlichen Perspektive kennenlernen möchte, ist hier an einer sehr guten Adresse.