Förster hat ein Werk vorgelegt, das dem Leser der Gedanke an einen gewissen amerikanischen Einfluss in den Sinn kommen könnte, was Titel, These und Ausführung betrifft. Wird der Titel um das „Die“ gekürzt, ist er für den abgehandelten Inhalt reell. Was die aus Kant herausgeklaubte These der 25-jährigen Existenz eigentlicher Philosophie angeht, so ist sie Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ vergleichbar. Nicht ernst gemeint, aber Aufmerksamkeit schaffend.Zur Inhaltlichkeit: Was so gemeinhin als „Deutscher Idealismus“ verstanden wird, greift Förster auf und thematisiert philosophische Positionen von Kant bis Hegel an ausgewählten Stücken. Großen Raum, fast die Hälfte, nimmt Kant mit seinen drei Kritiken ein. Es gesellen sich hinzu der subjektkonstituierende Fichte, der naturwissenschaftliche Goethe, ein gut eingestreuter Spinoza, der naturgesetzaufschließende Schelling und schließlich der phänomenologische Hegel.Kants Auftritt hat Resultate erbracht, aber seine Nachgänger bringen die Prämissen nicht bei. Es ist nicht zu bestreiten, eine solche thetische Einschätzung einer Überprüfung unterziehen zu dürfen. Doch führt sie am Ende nicht den Leser zu Aha-Erlebnissen, sondern dient der äußerlichen Textabgrenzung, um die anderen folgenden philosophischen Schwerpunktbildungen für eine freie Erörterung aufnehmen zu können.Im Fazit: Wer eingewöhnter Weise auf eine pointierte Gedankenführung und schlüssige Übersicht und relevante Quintessenz dieser 25 Jahre Philosophie hofft, erwartet falsch. Die begriffliche Rekonstruktion ist nicht Försters Sache. Seine Stärke ist die philosophische Erörterung als ein Bildungsmittel zu einem historischen Bildungsstück. Försters Lektüre fordert Muße ein und bei der Streubreite tut auch die Führung eines Logbuches gut.Mir scheint die textliche Gestaltungsweise einem amerikanischen Muster zu folgen, das weitab von ideologischen Grabenkämpfen, konfrontativen Zuspitzungen und begrifflichen Letztaussagen schreiben lässt. Förster bietet interessante Details zum Verweilenkönnen an, häufig in Form von historischen Exkursen, anekdotenhaft aufbereitet. Auch daraus lässt sich eine Summe im Sinne einer angeeigneten Substanz gewinnen, die am Ende zu einer Verständigkeit im Diskurs führt, um konstruktiver Teilnehmer sein zu können.Försters Werk ist ein Verweilbuch. Die vielen Exkurse sind gelungen, bereichern, stoßen an, erzeugen Haltepunkte fürs Innewerden. Die sprachliche Darstellung ist ausgezeichnet: halb erzählend, halb beschreibend, erklärend und großenteils stilbildend durchformuliert.Wer der Muße für den klassischen Schlüsselbereich „Deutscher Idealismus“ nachgeben möchte, nicht auf einen geschlossenen Horizont hinaus ist, sondern sich durch das Entstehen offener Fragen animiert weiß, dem kann ich Förster mit 5 Sternen empfehlen, in seinem Werk zu verweilen.
Wir brauchen von Zeit zu Zeit ein einleuchtendes Gesamtbild bzw. einen Überblick von Kants philosophischen Projekt, ohne dabei die Gefahr von Verallgemeinerung und Vereinfachung zu riskieren.Professor Försters ziemlich neues Buch erreicht genau dieses, und ist auch sehr lesbar!