Die Gedanken des späten und spätesten Wittgenstein gehören zu den großen Neuanfängen des
Philosophierens im 20. Jahrhundert und auch zu ihren Rätseln. Seine Texte sind auf äußerste
Nüchternheit und Klarheit angelegt doch Wittgenstein hat ihnen keine übersichtliche Ordnung
gegeben. Die vielfältigen Versuche zu wenigstens groben inhaltlichen Gliederungen haben eher
Verwirrung gestiftet keiner hat sich durchgesetzt. Das liegt daran dass es Wittgenstein um
eine methodische Orientierung im Philosophieren selbst um Techniken der Vergewisserung ging
nachdem alle scheinbar absoluten Gewissheiten der Philosophie auch die seiner frühen
Logisch-Philosophischen Abhandlung verlorengegangen waren. In seinen späten Philosophischen
Untersuchungen beschied er sich damit "eine Menge von Landschaftsskizzen" vorzulegen zu denen
er immer neue Entwürfe erarbeitete. Sie sollten Anleitungen zur Navigation im Philosophieren
sein Hilfen geben zur philosophischen Orientierung auf unübersichtlichem Gelände nicht mehr
nicht weniger. Der späte Wittgenstein hat wie niemand zuvor das Philosophieren an die
"Sprachspiele" und die "Lebensformen" des Alltags angebunden. Er gebraucht selbst den Begriff
"Orientierung" in Komposita wie "Orientierungszeichen" und "Orientierungsregel" und lotet das
Sprachspiel der Orientierung mit zahlreichen weiteren Begriffen aus dem semantischen Umfeld
aus. Der Begriff der Orientierung könnte das "erlösende Wort" sein das Wittgenstein bis zum
Ende gesucht hat und in dem sich seine philosophischen Bemühungen zu einem stimmigen Bild
zusammenfügen. In der Forschung ist Wittgensteins Beitrag zum Verständnis der menschlichen
Orientierung und ihrer Techniken noch kaum zum Thema geworden. Aber eben von hier könnte eine
revolutionäre Wirkung ausgehen.