Das Ressentiment und das Sprechen über Ressentiments erfahren gegenwärtig in
gesellschaftspolitischen Debatten aber auch in wissenschaftlichen Kontexten eine erstaunliche
Konjunktur. Diesen Befund nimmt das Sonderheft zum Anlass um eine neue Perspektive auf den
sozialen Affekt des Ressentiments zu erproben: Anders als jüngere Arbeiten zielt das Heft nicht
auf makrohistorische Rundblicke oder weitreichende Gegenwartsdiagnosen sondern wählt ganz
bewusst einen mikroskopischen gleichsam philologischen Ansatz. Die Beiträge untersuchen an
ausgewählten Fallbeispielen aus Literatur Medien Kunst und Kulturphilosophie und in Anlehnung
an ältere wie jüngere Ressentiment-Theorien die Erzeugung und Distribution ressentimentaler
Sprechweisen in ihren literarischen medialen und materialen Realisationen und binden sie an
die Praktiken ihrer je spezifischen Entstehungs- und Verwendungskontexte zurück. Erstmals
werden dabei die Affektdynamiken des Ressentiments und die Praktiken der Stereotypenbildung mit
ihren jeweils inhärenten Wiederholungslogiken aufeinander bezogen: Das weitet den Blick neben
der 'Rückkehr' und Verfestigung von Ressentiments auch auf Möglicheiten ihrer Variation
Subvertierung und Verflüssigung.