In Vergangenheit unter dem Mikroskop erforscht Musil-Gutsch die interdisziplinäre
Zusammenarbeit von Natur- und Geisteswissenschaftlern im deutschsprachigen Raum um 1900.
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen kooperierten seinerzeit um materielle Quellen
mittels naturwissenschaftlicher Methoden zu untersuchen. Gemeinsam analysierten sie
kulturhistorische Objekte aus Papier Wachs und Glas um deren Datierung und Herkunft zu
bestimmen. Musil-Gutsch widmet sich der Dynamik dem Wissensaustausch und den Bedingungen der
Kooperationen. Deren Vielfalt veranschaulichen Beispiele wie die Datierung mittelalterlicher
Manuskripte durch Paläographen und Botaniker oder die von Chemikern und Kunsthistorikern
unternommene chemische Analyse einer Wachsbüste in den Berliner Museen. Musil-Gutsch wirft
erstmals einen eingehenden Blick auf die gemeinsame Forschungspraxis von Natur- und
Geisteswissenschaften und schreibt damit eine Verflechtungsgeschichte diverser natur- und
geisteswissenschaftlicher Disziplinen um 1900 jenseits der "Zwei-Kulturen"-Debatte.
Ausgezeichnet mit dem Georg-Uschmann-Preis für Wissenschaftsgeschichte 2023 dem Münchner
Historicum-Preis 2023 und dem Bettina-Haupt-Förderpreis 2023.