Der dreizehn Jahre ältere Gabriel García Márquez schrieb über Julio Cortázar: «Einer derjenigen, denen ich entsprechen wollte, wenn ich gross wäre.» Und Pablo Neruda meinte sogar: «Wer diese Erzählungen nicht liest, ist verloren. Sie nicht zu lesen, ist eine schwere, schleichende Krankheit, die mit der Zeit schreckliche Folgen haben kann. Ähnlich wie jemand, der nie einen Pfirsich gekostet hat. Er würde langsam melancholisch werden und immer blasser, vielleicht würden ihm nach und nach die Haare ausfallen.»Die Metaphern seiner Schriftstellerkollegen erreichten mich vor dem Erscheinen der vier Bände mit Cortázars Erzählungen noch nicht. Aber da ich lange in Italien lebte und dort eher an einer Pfirsich-Überdosis als am Pfirsich-Entzug litt, ist Haarausfall überhaupt nicht mein Problem. Jetzt, als Besitzer von Cortázars gesammelten Erzählungen ist Zeitmangel mein Problem. Aber auch bei so genialen Geschichtenerzählern wie Cortázar nehme ich mir die Freiheit, die Lektüre abzubrechen, wenn mir etwas nicht gefällt. Bei diesem Buch kommt das allerdings selten vor.In der editorischen Notiz im vierten Band heisst es, dass Cortázar seine Erzählungen mehrfach zusammengefasst habe, versuchsweise sogar thematisch. Mit dieser Edition würden nun zum ersten Mal sämtliche Erzählungen Cortázars vollständig und in chronologischer Folge vorliegen. Daher nehme ich an, man müsse dem keine Beachtung schenken, wenn es im Inhaltsverzeichnis «Aus: Reise um den Tag in 80 Welten» heisst und danach nur eine Erzählung unter dieser Überschrift folgt. Die weiteren Titel von Geschichtensammlungen in diesem Band lauten: Aus: Letzte Runde – Oktaeder – Passatwinde.Mein Fazit: Es gibt Cortázar-Kenner, die der Meinung sind, der zweite Band enthalte die besten Erzählungen. Darauf würde ich nicht wetten, sondern lieber die Empfehlung abgeben, sich alle vier Bände zu gönnen. Denn auch im diesem hat es Perlen, die Geschichtenliebhaber nicht verpassen sollten.