Liebe Sonja« schreibt David in diesen aufklärerischen und verzweifelten Briefen an eine
angebetete Mitschülerin von einst »zurückzuschauen ist nicht immer die beste Idee: Da ließ der
Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha und vernichtete die
Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war.
Und Lots Frau sah hinter sich und ward zur Salzsäule.« Dennoch hält er Rückschau: Damals
in den »klebrigen siebziger Jahren« wollte Sonja wissen was ihn an Heavy Metal an Zombie-
und Pornofilmen und Horrorcomics denn fasziniere. Jetzt in den Briefen holt er aus zitiert
Gräßliches und definiert theoretisch: Drastik das ist »die kulturindustrielle Form die das
Selbstwunsch- und -angstbild von modernen Menschen annimmt wenn die sozialen Versprechen der
Moderne nicht eingelöst werden ...« Doch angetrieben wird seine Erklärung von der eigenen
Geschichte: einem kaputten Elternhaus der Sonjafixierung Drogenerfahrungen einem
Zusammenbruch. Nein die Liebe zur Drastik ist kein Spiel sagt der Briefschreiber und die
zu Sonja der er Drastik und Deutlichkeit erklären möchte erst recht nicht. Wie gehören beide
zusammen? Dietmar Daths waghalsiger Romanessay gräbt in der Geschichte einer Jugend nach
Antwort.