Ich bin seit einem halben Jahrhundert ein begeisterter Max-Frisch-Leser, aber dies Büchlein ist doch etwas "dünn", und damit meine ich nicht die Seitenzahl. Hier wurde post mortem etwas verkauft, was der arme Frisch nicht mehr verscherbelt hätte, wenn er noch gelebt hätte.
"Ignoranz als Staatsschutz?" ist wieder eine Veröffentlichung aus dem Nachlass. Ein Fragment aus dem Jahr 1990. Die Edition ist vorbildlich: Vorwort, Nachwort, Anmerkungen, der Text im Typoskript und in Druckversion und ein Faksimile von Frischs Fiche. Das mag aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es fürs Geld sehr wenig Frisch gibt. Der Text ist einfach zu kurz. Ingesamt ist das die schwächste Publikation aus Frischs Nachlass.Inhaltlich geht es um den Fichenskandal von 1989, als bekannt wurde, dass der Staatsschutz eine Unmenge von Personen beobachtet und bespitzelt hat. Das ist vor allem historisch interessant. Aus heutiger Sicht wäre das Thema auch interessant, man denke nur an den NSA-Skandal, Edward Snowden und das neue Nachrichtengesetz, gegen das das Referendum ergriffen worden ist. Jedoch ist der Text von Frisch leider ziemlich schwach. Über weite Strecken stellt er nur einen Kommentar zu seiner Fiche dar. Frisch kommt bei mir in seiner Kritik eher etwas penibel und oberlehrerhaft rüber. Am Interessantesten ist, wenn Frisch am Schluss darüber schreibt, was nicht in seiner Fiche steht. Das verdeutlicht, dass der Schweizer Staatsschutz ein Dilettantenverein gewesen ist, also kein Vergleich etwa mit der Stasi.