-Peter Handke ist ein Gehender. Bei ihm konnte man lernen wie man mit offenen Augen durch die Welt - also durch die Landschaft - geht und dabei vom Autor als Begleiter mitgenommen wird, seinen Wegen und Gedanken folgend, und seine Bilder aufnehmend.Diesmal lässt Handke die Romanfigur gehen und er selbst folgt ihren Spuren als kommentierender Autor.Ein in Übersee lebender Mann, Gregor Werfer, kommt alle paar Jahre auf Heimaturlaub in sein Dorf, in sein Elternhaus. Diesmal unternimmt er längere Wanderungen durch die Gegend, durch das Dorf und die inzwischen entstandene Neustadt, für er die Bezeichnung Agglomeration verwendet.Einige Male schläft er auch im Wald, dann wieder sitzt er bis spät nachts in Wirtshäusern herum, nur um dort „der letzte Gast im Raum zu werden“ - warum auch immer. „So eine Herumtreiberei war doch noch nie seine Sache gewesen“ kommentiert der Autor, als kenne der die Hauptfigur seit vielen Jahren.Es ist die Geschichte des Fremdwerdens eines Einzelnen. Als Motto steht am Beginn der Geschichte ein Zitat aus der Odyssee: *Wohin nur könnte ich hinab-hinaus-voranflüchten?*.Die einst vertraute Umgebung ist fremd geworden für Gregor Werfer. Er findet die alten Plätze und Häuser nicht mehr, und in den neuen finden sich seine Erinnerung nicht mehr zurecht, und auch bei Gregor selbst lässt sich eine Änderung, eine Desorientierung ahnen, wenn er zweifelnd die Frage an sich selbst richtet: „Lebe ich von dem, was sich zeigt, erst im Nachhinein?“Und beim Schwanken eines herbstlichen Wildentenzugs kreuz und quer über den Himmel fragt er hinaufschauend: „Auch ihr verirrt?“Erst auf den letzten Seiten, inzwischen wieder auf dem anderen Kontinent angekommen, tritt der Autor selbst an die Stelle der Romanfigur Gregor Werfer und denkt an seine ‚Heimatwoche‘, und „es ging mir auf, dass mein angemaßtes Chronistentum von Grund auf eine Fälschung war, eine Verpuppung meiner selbst“.Stilistisch scheint es Handke in diesem Werk (zumindest bis zur Mitte des Buches) darauf anzulegen, in den Sätzen möglichst viele Beistriche unterzubringen, was zu Schachtelsätzen und zu Manierismen führt, die man bei Handke bisher nicht gewöhnt war und die sich keineswegs so souverän und elegant lesen wie bei László Krasznahorkai, der für seine langen Sätze berühmt ist und sogar ein ganzes Buch in einem Satz schrieb.Trotzdem. Die Bedächtigkeit des Schreibens ist auch in diesem Werk wieder da, und die genauen Beobachtungen, und auch die Rätselhaftigkeit, wohin der Autor uns mit seiner Geschichte eigentlich führen will. Wenn er überhaupt irgendwohin führen will, und nicht beim Schreiben die Leser vergißt.Auf den letzten Seiten des Buches heißt es einmal: „Manchmal, wenn Odysseus mit sich allein war, gerät er ins Erzählen, und wem erzählt er? – dem eigenen Herzen“.Handke war mit sich allein und erzählte sich eine Geschichte – und wir hören mit.-