Die Bedeutung des Titels Windstriche ( Rhumbs ) musste Paul Valéry schon seinen französischen
Lesern erläutern als das Buch in den zwanziger Jahren erschien. Das Wort entstammt der Nautik
bezeichnet vereinfacht gesagt die Richtung der Winde aus den verschiedenen Welt- oder
Himmelsgegenden. In Windstriche bleiben die Richtungen die Paul Valéry mit seiner Prosa und
seinen Überlegungen zur Dichtkunst sich selbst wie den Zeitgenossen vorgab im Hintergrund. Sie
bilden die Folie von der sich die Abweichungen vom Vollendeten vom abstrakten Denken von
reiner absoluter Dichtung umso deutlicher abheben. Hier treffen aufeinander:
Tagebucheintragungen anlässlich einer Reise nach 'Lust und Laune gezeichnet' es werden
'Moralia' sowie 'Hintergedanken' ausgeplaudert ebenso wie Träume Gedanken zur Literatur und
lyrische Versuche. Dieses Buch führt Gedankensplitter vor - und gibt ihnen zugleich einen
Zusammenhang aus Fragmenten werden Ansätze zu einer Totalität. 'In dieser Sammlung von Notizen
Impressionen Ideen gibt es keine Ausruhpunkte' (Ernst Robert Curtius). Die Zeit : 'Es ist
erschütternd mitzuerleben und erhebend mitzudenken wie schwer es sich ein großer Geist mit
dem Geist gemacht hat.' Die Windstriche geben eine Auswahl aus den Heften ( Cahiers ) den
Tag für Tag von 1894 bis zu Valérys Tod 1945 jeweils am frühen Morgen geführten
Denktagebüchern die erst posthum publiziert wurden und heute als sein
literarisch-philosophisches Vermächtnis gelten. Dieses Buch ist Teil der Reihe: Französische
Bibliothek . Sie ist in Zusammenarbeit zwischen der Académie de Berlin und dem Suhrkamp
Verlag entstanden. Gemeinsam wollen sie auf bedeutende aber fast vergessene Werke der modernen
französischen Literatur aufmerksam machen - die Französische Bibliothek soll dazu als Kompass
dienen und als Anregung sich immer wieder aufs Neue für französische Literatur in deutscher
Sprache zu begeistern.