'Nur wo wir handeln fühlen wir uns lebendig und nur im Handeln gewinnen wir soziale Energie.'
Die Lehrerin die Noten nicht zur Ermutigung vergeben kann die Ärztin die Bildschirme statt
Patienten behandelt der Schiri dessen Augenmaß vom VAR verdrängt wird: Unmerklich verändert
sich in der Gegenwartsgesellschaft der Charakter unseres Handelns. Insbesondere im Berufsleben
aber zunehmend auch in der Freizeit zeichnen uns Richtlinien und Formulare Algorithmen und
Apps die Wege zur Entscheidungsfindung minutiös vor. An die Stelle situationssensiblen
Überlegens und Urteilens tritt die konstellationsbasierte Vollzugslogik der Maschinen mit
denen wir tagein tagaus hantieren. 'Stimme zu' 'Stimme nicht zu' - so werden Handelnde zu
Vollziehenden. Diese Entwicklung sosehr sie der Gerechtigkeit und Transparenz dienen mag
hat einen hohen Preis den Hartmut Rosa in seinem neuen Augenöffner auf anschauliche Weise
beziffert. Denn wenn Ermessensspielräume verschwinden und die Kreativität menschlichen Handelns
aus den alltäglichen Praxisvollzügen eliminiert wird wächst das Gefühl der Ohnmacht. Und mit
der Urteilskraft verkümmert die Handlungsenergie als solche. Doch wie können wir diesem
individuellen und kollektiven Energieverlust der Gesellschaft entgegenwirken? Indem wir so
Rosa die menschliche Handlungsfähigkeit stärken und zwar auf allen Ebenen der sozialen
Existenz.