Nach der Vertreibung aus der Tschechoslowakei gründeten sudetendeutsche Katholiken die
Ackermann-Gemeinde. In der frühen Nachkriegszeit verkörperte diese eine von drei politischen
Strömungen im sudetendeutschen Spektrum. Sie betrieb auch gegen Widerstände die Annäherung der
Vertriebenenverbände an den politischen Mainstream der Adenauer-Ära. Ab den 1960er-Jahren
verschoben sich die Schwerpunkte teilweise: Vor allem die Jugend der Ackermann-Gemeinde wandte
sich gegen die alte "Heimatpolitik". Als neue Aufgabe kam zudem die grenzüberschreitende
"Osthilfe" für Katholiken in der kommunistischen Tschechoslowakei hinzu. Durch diese
Vorgeschichte hatte die Ackermann-Gemeinde nach 1989 in Tschechien eine hohe Reputation und
konnte sich inmitten hitziger vergangenheitspolitischer Debatten weiter als Vordenkerin einer
deutsch-tschechischen Versöhnung profilieren. Diese Studie beleuchtet das Wirken der
Ackermann-Gemeinde insbesondere in ihren grenzüberschreitenden Bezügen. Sie basiert auf
umfangreichen Archivrecherchen in Deutschland und in Tschechien - unter anderem von Akten der
tschechoslowakischen Staatssicherheit die diese bedeutende sudetendeutsche Organisation über
Jahrzehnte beobachtete.