Bis zum Zweiten Weltkrieg beherbergte Halberstadt eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden
Mitteldeutschlands. Dies drückte sich in der Einwohnerschaft aus und auch darin dass die
kleine Stadt im Vorharz eines der Zentren der Neo-Orthodoxie in Deutschland war. 1942 wurden
die letzten verbliebenen Jüdinnen und Juden deportiert und Halberstadt 1945 durch alliierte
Bombenangriffe stark zerstört. Die jüdische Stadtgeschichte fiel daraufhin der Vergessenheit
anheim bis Ende der 1970er Jahre kirchliche Kreise die Erinnerung aufleben ließen. Philipp
Graf betrachtet in seinem Essay den staatlichen städtischen und zivilgesellschaftlichen Umgang
mit der jüdischen Vergangenheit in vier Jahrzehnten DDR. Vor dem Hintergrund bis in die
Gegenwart zu vernehmender antisemitischer Vorbehalte in der Stadt fragt der Autor inwieweit
sich der "verordnete Antifaschismus" und die politische Kultur der DDR hierin Ausdruck
verschaffen und beeinflussen wie in Halberstadt und in den neuen Bundesländern insgesamt über
Juden Judentum und jüdisches Leben gesprochen wird.