Im 19. Jahrhundert wird die Eisenbahn zum 'Treffpunkt der guten (und manchmal weniger guten)
Gesellschaft' (Walter Jens). Vom König bis zum einfachen Rekruten vom Industriemagnaten bis
zur Fabrikarbeiterin - fast alle sind gelegentlich mit der Eisenbahn unterwegs. Diese
radikalintegrative Funktion trägt ihr bei den Zeitgenossen den Ruf als Nivelliermaschine ein
die soziale Gegensätze zum Verschwinden bringe und den Weg in eine Gesellschaft der Gleichen
ebne. Demgegenüber steht allerdings die Segregation der Passagiere nach Klasse Geschlecht und
'Rasse'. Niklas Weber untersucht diese Praktiken der Trennung und ihren Wandel. Er beleuchtet
die Diskurse und Erzählungen die sich daran angeschlossen haben: vom Antagonismus der Klassen
und sozialer Mobilität von der Liebe auf den ersten Blick und sexueller Gewalt von
rassistischen Diskriminierungen und antisemitischen Epiphanien. Fast fünfzig Jahre nach
Wolfgang Schivelbuschs Klassiker erzählt er die Geschichte der Eisenbahnreise neu als
Kulturgeschichte sozialer Differenzen und Konflikte.