Das Bild am Cover täuscht. Wenngleich das Hineinbringen des hölzernen Pferdes das Musterbeispiel für die Torheit der Regierenden ist, wird der trojanische Krieg nur als Einleitung gebracht. Die Schwerpunkte liegen auf zwei Geschichtsperioden:1. Die Handlungen der Renaissancepäpste im 15. und 16. Jahrhundert, die letztlich zur Reformation geführt haben, und2. Die schrittweise Verstrickung der Vereinigten Staaten in den Vietnamkrieg.Die Autorin zeigt auf, wie politisches Handeln, das zunächst vernünftig erschien, sich letztlich gegen das Interesse der Regierenden gerichtet hat.
★★★★★
Christian Hartmann
29.09.2023
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Torheit als Konstante in der Politik ist leider ein Thema, dass nie an Aktualität verliert; um so schöner, dass sich mit B. Tuchmann eine Autorin schon in den 80er Jahres des Problems angenommen hat. So weit so gut. Dennoch hinterlässt die Lektüre des Buches ein Gefühl der Unzufriedenheit. dafür gibt es vor allem zwei Gründe:Erstens werden die Hintergründe für Torheit wie etwa kognitive Dissonanz oder beschränkende mentale Modelle nicht explizit betrachtet. Allein im Vorwort wird innerhalb der Danksagungen das Problem der kongitiven Dissonanz kurz thematisiert. Die Beschreibung der Fallbeispiele bleibt somit annekdotisch und erklärt letztendlich wenig.Zweitens strotzen die von B. Tuchmann präsentierten Fälle zum Teil nur so vor Ungenauigkeiten und Fehlern. Ein Beispiel, um dies genau zu illustrieren: Im Kapitel zum Vietnam- bzw. Indochinakriegs wird die Schlacht von Dien Bien Phu behandelt. Dabei zeigt die Autorin weder die strategischen Motive für den Aufbau dieser Festung vollständig auf (sie erwähnt zwar das geplante Aufreiben des Gegeners in offener Schlacht, vergisst aber die intendierte Unterbrechung der Verbindungswege nach Laos), noch wird der Lauf der Ereignisse richtig beschrieben (sie schreibt die Franzosen hätten ein bereits befestigtes Gelände besetzt). Tatsache ist, dass die Festung von Dien Bien Phu erst im Zuge der Ereignisse aufgebaut wurde. Auch die Aussage, die Truppen von Gen. Giap hätten Luftangriffe auf die Festung durchgeführt, zeugt nicht gerade von grosser Kenntnis der Sachlage; die Vietminh waren eine Guerrillarmee. Solche Angriffe wurden von den Franzosen auf die Stellungen der Vietminh mit geringen Erfolg durchgeführt und nicht umgekehrt.Fazit: Gutes Thema - schlechte Recherche. Wer eine genaue Darstellung des Vietnam-Konflikts und der Verwicklung der USA sucht, sollte stattdessen R. Aspreys Buch "War in the Shadows" lesen.