Gegenstand dieses Doppelhefts sind psychoanalytische Konzeptionen von Hoffnung und ihre
Bedeutung für das Verständnis gesellschaftlicher und individueller Krisen sowie des
analytischen Prozesses. Der Begriff 'Hoffnung' blieb in der psychoanalytischen Diskussion lange
Zeit zu wenig systematisch beleuchtet obwohl es sowohl klinisch als auch kulturanalytisch
unabdingbar ist präzise Unterscheidungen zu treffen. Dies betrifft etwa diejenigen zwischen
Illusion Allmachtsfiktion oder oberflächlichem Optimismus einerseits und tragfähiger Hoffnung
die Ungewissheit und Verzweiflung integrieren kann andererseits. Gerade für diese - auch
philosophisch einschlägig diskutierten - Unterscheidungen sind psychoanalytische
Differenzierungen besonders fruchtbar. Woran sind trügerische Hoffnungen erkennbar? Lassen sich
psychodynamisch verschiedene Funktionen und Strukturniveaus von Hoffnung bestimmen? Wie können
intersubjektive und intergenerationale Dimensionen von Hoffnung gefasst werden? Zugleich geht
es um temporale Merkmale bis hin zu Veränderungen von Hoffnung über die Lebenszeit. Was heißt
es angesichts von Umweltzerstörung Krieg und politischen Verwerfungen womöglich keine
Hoffnung mehr schöpfen zu können - und welche Rolle spielt Hoffnung gerade in Zeiten der Krise
für die Entstehung des Neuen? Das Doppelheft wird eröffnet mit einem interdisziplinären
Gespräch über zentrale Merkmale und unterschiedliche Konzeptionen von Hoffnung aber auch über
zeitgenössische Relevanz und Herausforderungen der Analyse.