Das Hauptwerk der Ikone der französischen Literatur - von vielen unterschätzt von wenigen
übertroffen - in zeitgemäßer Neuübersetzung von Renate Haen und Patricia Klobusiczky Macht
Liebe selig? Lässt sie uns über uns hinauswachsen? Schenkt sie uns ewige Jugend? - Diese und
andere zeitlos aktuelle Fragen verhandelt dieser vibrierende Roman über die Höhen und Tiefen
einer Beziehung die gegen alle gesellschaftlichen Konventionen verstößt und gerade deshalb
etwas Erhabenes gewinnt. Chéri der titelgebende Held ist mit seinen vierundzwanzig Jahren ein
Bild von einem Mann unwiderstehlich in seiner Ungezwungenheit und Eleganz vor allem aber in
seinem ausgeprägten Hang zum Pariser Wohlleben. Als Filou der sich gerne aushalten lässt ist
er für Léa die weitaus ältere selbstbewusste und genussfreudige moderne Frau das perfekte
Objekt der Begierde. Hingerissen wie ein junges Mädchen kann sie der Versuchung einfach nicht
widerstehen. Ihre leidenschaftliche Liaison mit dem unreifen Chéri hält für sie so manche
Überraschung bereit vor allem in der erotischen Liebe deren Exaltationen hier bei aller
Freizügigkeit höchst einfühlsam geschildert werden. Am Ende ist Léa um eine existenzielle
Lebens- und Liebeserfahrung reicher wobei dieser Roman einer Amour fou in gewisser Weise
Colettes eigenen Ausspruch widerlegt: 'Man stirbt nur am ersten Mann.' Colette gilt in ihrer
Heimat als Klassikerin der Moderne und genoss schon zu Lebzeiten allerhöchstes Ansehen. Sie
wurde in die Académie Goncourt aufgenommen und nach ihrem Tod ehrte sie Frankreich mit einem
Staatsbegräbnis. Selbstverständlich wurden ihre Werke in die Bibliothèque de la Pléiade
aufgenommen. Im deutschen Sprachraum hat man sie hingegen lange unter 'Boulevard' verbucht.
Höchste Zeit also das Vorurteil mit einer zeitgemäßen Neuausgabe zu korrigieren. Mit einem
Nachwort von Dana Grigorcea