„Luyánta“ ist für mich ein absolutes Ereignis. Es ist Fantasy/Phantastik, aber genauso eine Familiengeschichte und eine Art Seelendrama. Da kommen ganz viele verschiedene Elemente zusammen, und es entsteht etwas Ganzes und vollkommen Neues, wie ein gewaltiger Traum.Für mich hat das Buch trotz oder gerade wegen seiner Länge einen überwältigenden Sog entwickelt. Und zwar wegen der unglaublichen Sprachkunst des Autors! Das Buch ist auch unglaublich witzig. Überhaupt würde ich neben der Spannung und dem Menschlichen den Humor hervorheben. An anderer Stelle wird es poetisch und lyrisch. Alles, was auf dem wunderschönen Cover zu sehen ist, findet man in der Geschichte wieder: das Schwert tief im See, die Murmeltiere und Adler, die Knochen … Es gibt einzigartige Settings und Szenen, die man nicht so schnell vergisst, zB. eine Achterbahnfahrt unter dem Gletscher, einen Kampf auf einer sich auflösenden Autobahnbrücke, eine im Müllmeer versinkende Festung eines halbverwesten Maultiers, das Tal der Knochen, den brennenden Fluss und viele mehr.Aber vor allem ist da diese rauschhafte lange Saga mit ihrer Hauptfigur. Ein eigenwilliger, manchmal auch unangenehmer Charakter. Und trotzdem ein Mädchen, mit dem man sich gut identifizieren kann, selbst wenn man sich manchmal über sie aufregt. Und eine riesige Menge an seltsamen Nebenfiguren und lieben oder mutigen Gefährtinnen, die man wirklich ins Herz schließt. Luyánta hat mich über fast 800 Seiten gefesselt. Es schreit nach einer Fortsetzung. Oder einer Verfilmung.
Aufmerksam geworden bin ich auf das Hörbuch/den Roman durch das schöne Cover. Das macht definitiv was her und beinhaltet Elemente aus der Handlung, was ich ziemlich cool finde. Auch der Inhalt klang vielversprechend. Der Roman wird vom Verlag mit Geschichten wie "Die unendliche Geschichte" oder "Der Hobbit" verglichen, da es auch hier um die Reise des Erwachsenwerdens geht.Man lernt direkt zu Beginn Jolantha kennen, die erst einmal absolut unsympathisch ist. Nur am Jammern, wie nervig der Wanderurlaub ist und wie blöd ihre Familie. Das war für mich etwas abschreckend, da Jolantha wirklich extrem überreagiert, aber eben auch noch in der Pubertät steckt. Da muss man ihr das wohl ein Stück weit verzeihen. Während des Wanderurlaubs gibt es Streit und Jolantha verlässt abends alleine die Hütte. Da hört sie einen Ruf, dem sie folgt und landet bei zwei sprechenden Murmeltieren, die ihr den Weg in die Unselbe Welt weisen. Ich fand es befremdlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Jolantha sowohl die sprechenden Murmeltiere hinnimmt als auch mit diesen in eine fremde Welt mitgeht. Es wird dadurch erklärt, dass sie spürt, dass sie dorthin gehört/muss, aber naja, fand ich dennoch nicht ganz nachvollziehbar.Sie lernt dann schnell, dass in der Unselben Welt Krieg herrscht zwischen den Fanesleuten und dem Heer des Adlerprinzen. Und dass sie dabei eine entscheidende Rolle spielt...Die Unselbe Welt ist sehr fantasiereich geraten und wimmelt nur so vor interessanten Wesen, die Jolantha auf ihrem Weg begleiten oder ihn kreuzen. Neben sprechenden Murmeltieren gibt es z.B. sprechende Adler, ein halbverwestes Maultier, das als Feind auftritt, eine Knochenstadt und vieles mehr. Entdecken kann man hier beim Lesen/Hören einiges, was mir sehr gefallen hat. Auch gliedern sich all diese Wesen und Orte in das Gesamtbild der Unselben Welt perfekt ein und machen sie lebendig. Also vom Setting her ein großartiges Buch, wie ich finde!Die Handlung dreht sich maßgeblich um Jolanthas Weg, die in der Unselben Welt Luyanta heißt. Ziel ist es, den Adlerprinzen aufzuhalten und dafür muss Luyanta erst erkennen, warum ihr die Welt so bekannt vorkommt und welche Rolle sie dort tatsächlich spielt. Ich muss sagen, dass mir ihre Entwicklung etwas hastig vorkam. Das nervtötende pubertierende Mädchen wird ziemlich schnell eine entschlossene Anführerin, die alleine alle schweren Entscheidungen treffen soll. Zwar stehen ihr zahlreiche Helferlein mit Rat und Tat zur Seite und ich fand, dass auch all diese eine ordentliche Charakterisierung bekommen haben, aber letztlich ist Luyanta diejenige, die alles entscheidet.Auch ist die Handlung mit ihren 780 Seiten sehr lang und leider dadurch auch langatmig. Zwar bekommen die Welt und die Charaktere genug Raum, um sich zu entfalten, aber die Spannung bleibt dabei oft auf der Strecke. Hier muss jede:r selbst entscheiden, was gefällt. Als Hörbuch fand ich es vollkommen okay, die langsame Entwicklung zu verfolgen. Als Roman hätte ich vielleicht weniger Geduld gehabt.Ich hatte übrigens die ganze Zeit über eine Vermutung, was die Unselbe Welt angeht, die sich aber nicht bewahrheitet hat. Irgendwie habe ich dadurch das Gefühl, das Konzept der Unselben Welt nicht verstanden zu haben... (Näher drauf eingehen, wäre wohl ein Spoiler.)Das Hörbuch wird von Constanze Becker gesprochen, die ich bisher nicht kannte, die aber einen großartigen Job macht und den einzelnen Charakteren individuelle Sprachmuster verleiht. Da macht das Zuhören gleich doppelt Spaß!