Als der Protagonist in Patrick Holzapfels Debütroman Hermelin auf Bänken durch den neunten
Wiener Gemeindebezirk läuft geschieht etwas geradezu Unerhörtes: Er kommt vom geraden Weg ab
beginnt den mäandernden Schritten eines in Hermelin gehüllten Obdachlosen zu folgen und
findet sich schließlich unvermittelt wieder - auf einer aus zwanzig dünnen braunen Holzplatten
bestehenden Parkbank. Von hier aus wo ihm die Zeit endlich aufzuhören scheint entfaltet sich
allmählich ein alternativer Stadtplan den der Erzähler sitzend erkundet denn: »Je länger man
sitzt desto mehr erfährt man über die Bank. Und zugleich erfährt man auch etwas über Menschen
die auf Bänken sitzen« Menschen wie Manuela mit ihrer umfassenden wenn auch völlig nutzlosen
Kenntnis der Filmgeschichte wie Yong der über seine unzähligen Schachtriumphe schwadroniert
oder eben wie den Erzähler der auf der Suche nach dem Hermelinkönig mit leisem Witz und Ironie
selbst zum König wird und erkennt dass jede Bank die Geschichte einer Person erzählt und ihre
Leidenschaften Ängste und Hoffnungen in einen Ausblick verwandelt.