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Karlheinz Schmiedel - Buchliebhaber
02.06.2023
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Wessen Name im selben Atemzug wie der Claude Monets genannt wird, der/die ist schon sehr weit auf der Karriereleiter nach oben gestiegen. Kein Geringerer als Dr. Stephan Koja aus Wien, seit 2016 Direktor der Gemäldegalerie Alter Meister in Dresden, macht uns mit der Malerin Andrea Bischof aus Schwaz, nahe Innsbruck, bekannt und vertraut.Er muss wohl schon oft in ihrem Atelier gewesen sein, denn er schildert eingehend dessen spartanische Ausstattung, damit nichts vom Malen ablenkt und erwähnt die Satinierung der Fenster, damit keine Bewegungen und Farben ins Innere gelangen können. Wir erfahren auch vom Gestus der Malerin, wie lange sie arbeitet und dass sie am Abend nach längerer Pause das Bild noch einmal betrachtet, um am nächsten Morgen daran weiter arbeiten zu können. Der Prozess zieht sich meist über Wochen, wobei manchmal bis zu drei Gemälde gleichzeitig entstehen.Der Autor stellt sogleich die Verbindung zu Claude Monet und anderen Impressionisten her. Er bemüht weitere berühmte Künstler und Künstlerinnen, deren Affinität zu Bischof er herausarbeitet. So stellt er die „Sunflowers“ von Joan Mitchell der „Pulsation #29“ gegenüber: Frappierend! Die Verwandtschaft mehrerer Gemälde der Künstlerin mit Bildern Monets ist ebenso faszinierend. Doch während man in den Seerosen des Meisters aus Giverny noch die schwimmenden Blätter deutlich erkennen kann, die leuchtenden Blüten in seinen Glyzinien und das zarte Flimmern in den Blättern eines Weidenbaums, findet sich in den Bildern Bischofs kein Gegenstand.Und dennoch herrscht starke Übereinkunft in ihren Werken: Die Seerosen haben keine Mitte, sie könnten zu den Seiten beliebig weitergehen. Das gilt auch für die Bilder der Künstlerin. Anders als die Horizontalen des Franzosen bevorzugt sie das senkrechte Format, meist nur geringfügig höher als breit (155x140). Sie setzt von oben nach unten ihre stark leuchtenden Farben. Ein geradezu grelles Orange wird von verschiedenen Rottönen eingerahmt, darüber legt sich mattes Grau, wodurch das Leuchten des orangefarbenen Grundes deutlicher hervorsticht. Wie eine Kaskade zieht sich das Thema in die Höhe und Tiefe. Nur Farbe,- kein Gegenstand.Andere Bilder, „Reflection #7“ und „21“, ruhen in sich, sind ohne Richtung und erinnern an Fernöstliches: Im Norden Thailands schöpfen Frauen Papier aus zerstampftem Maulbeerholz und streuen routiniert Blütenblätter in die Masse. Nach dem Trocknen vors Licht gehalten, geben die Bögen deren leuchtende Farbigkeit preis.In seinem Essay „Farbe und Erkenntnis“ stellt der Autor noch Verbindungen zu Jackson Pollock, Clifford Still, Barnett Newman, Marc Rothko und anderen amerikanischen Informellen her. Man könnte hier auch Gotthard Graubner anfügen und Hann Trier, dessen Arabesken im Deckengemälde des Charlottenburger Schlosses sich in Bildern der Künstlerin wiederfinden.„Color Truth“, so der Titel der Monografie, ist eine beglückende neue Erfahrung für den Kunstfreund!Karlheinz Schmiedel