Heute gibt es Farbfotografie - früher wurde mit der Hand koloriert. Als „Handkolorit“ verstand man die Bemalung einer bereits fertig gedruckten Grafik mit feinen Pinseln. Die Ausstellung „Prachtvoll illuminiert“ im Schweinfurter Museum Georg Schäfer (13. Mai bis 15. August 2018) versucht einen ersten Überblick über die gesamte Geschichte des Handkolorits zu geben - und das über einen Zeitraum von fast vier Jahrhunderten.Im Hirmer Verlag ist der reich illustrierte Begleitkatalog zu dieser außergewöhnlichen Ausstellung erschienen. In seiner Einleitung „Wenn du es nur sehen könntest“ gibt der Herausgeber Wolf Eiermann zunächst einen historischen Überblick über das Handkolorit und die verschiedenen Techniken. Das Handkolorit entstand aus der mittelalterlichen Urkunden- und Buchmalerei und hatte mehrere künstlerische Höhepunkte, ehe es um 1870 mit dem Aufkommen des Mehrfarbendruckes endete.Drei Essays beschäftigen sich dann ausführlich mit besonderen Aspekte des Handkolorits. So beleuchtet Claudia Steinhardt-Hirsch das Handkolorit in den wissenschaftlichen Illustrationen der Frühen Neuzeit. Besonders in botanischen und pharmazeutischen Pflanzenwerken griff man schon früh auf diese bildnerische Technik zurück. Wolf Eiermann setzt sich dann mit den unterschiedlichen Berufsbezeichnungen des Koloristen auseinander - von Briefmaler, Aquarellist, Illuminist bis zum bildnerischen Handwerker. Eckhard Leuschner betreibt anschließend an einem Künstlerbeispiel eine Fallstudie zur italienischen Druckgrafik.Der Katalogteil präsentiert dann in großformatigen Farbabbildungen die knapp 140 Ausstel-lungsstücke, wobei es neben den reinen Werkinformationen weitere kompakte Hinweise zu dem Kunstwerk gibt. Ein umfangreicher Anhang mit Glossar, Literaturhinweisen (einschließlich historischen Traktaten zur Illuminirkunst) und Namensregister komplettiert den Katalog, der die Illuminierung als eigenständige Kunstform vorstellt.