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Dr. Rudolf Sanders
06.06.2023
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Kinder geraten oft aus dem Blick, wenn einer der beiden Eltern psychisch erkrankt ist. Denn eine psychische Erkrankung ist immer noch gesellschaftlich mit Scham besetzt. Und so ist dann u.a. die Parentifizierung, dass ein Kind die Rolle eines Elternteils, als Tröster, als Unterstützer übernimmt und sich dabei selbst völlig aus dem Blick verliert, naheliegend.In dieser Veröffentlichung wird der Fokus ganz auf die Kinder gerichtet, auf ihre Not und ihre verzweifelten Bemühungen, sich in dieser Situation zurechtzufinden. Als Gegenmaßnahme dazu kommt die Resilienz in den Blick. Bei dieser handelt es sich nicht um einen festen seelischen Schutzschirm, der Kinder gegenüber allen familiären und sozialen Belastungen lebenslang immunisiert. Auch resiliente Kinder sind nicht unverwundbar! Resilienz ist eine Fähigkeit, Belastungen abzupuffern und mögliche schädigende Einflüsse auf die Entwicklung der Kinder abzumildern oder zu verhindern. Diese Fähigkeit ist nicht angeboren, sondern entwickelt sich in einem Zusammenspiel von Merkmalen des Kindes und seiner Umgebung. Vor allem die sozialen Beziehungen sind für die Entwicklung von Resilienz entscheidend. Wie genau eine solche Förderung aussehen kann, wird praxisnah anhand familiärer Schutzfaktoren in der kindlichen Entwicklung beschrieben. Zu diesen gehören insbesondere reflexive Kompetenzen und die Mentalisierungsfähigkeit. Mentalisieren wird als eine basale Interaktions- und Kommunikationskompetenz betrachtet, die Menschen befähigt, Schutzfaktoren bei Belastungen situationsangemessen und wirksam einzusetzen. Die Förderung der Mentalisierung scheint darüber hinaus ein fundamentaler Wirkfaktor bei allen Interventionen darzustellen. Abgerundet wird dieses Buch durch spezielle Hinweise für Erzieher*innen und Lehrkräfte, wie sie sensibel auf Veränderungen im Verhalten der Kinder reagieren können.Eine Sensibilisierung für die Not der Kinder scheint mir für alle Kolleginnen und Kollegen, die mit psychisch erkrankten Menschen arbeiten, dringend angeraten. Die Veröffentlichung bietet dazu eine sehr übersichtliche und nachvollziehbare Grundlage. Sie wird ergänzt sowohl durch Literaturempfehlungen für Kinder als auch durch Informationsbroschüren und wichtige Weblinks.Dr. Rudolf Sanders