"[P]lus d'une langue" - so versuchte Derrida seine Ideen über die Dekonstruktion
zusammenzufassen. Was es heißt mehr als eine Sprache zu sprechen zeigt sich aber weniger in
der Vielsprachigkeit automatisierter Übersetzung oder der sprachlichen Indifferenz von Large
Language Models. Stattdessen wird seit langem in der Lyrik das Zusammentreffen von
Mehrsprachigkeit und Mehrdeutigkeit als gesellschaftsrelevantes Sprachspiel (Wittgenstein)
spürbar. Was ist etwa ein "Haut Mal" und was sieht Hamlet (nicht) im Titel "Hamlet No See"?
Es wird gezeigt wie Lyrik in der Krisensituation Sprache und ihre eigene Medialität erweitert
um Handlungsoptionen zu erkunden. Dies gelingt einerseits durch die tiefgehende Analyse je
eines einzelnen Gedichtes von T. S. Eliot Paul Celan und Yoko Tawada und andererseits durch
thematische Überblicke über eine Vielzahl weiterer Gedichte aus Moderne und Gegenwart.