Chronische Schmerzen stellen weltweit ein signifikantes sozialmedizinisches Problem mit hohen
Folgekosten dar. Der Schmerz ist ein subjektives kontextabhängiges damit aber auch
modifizierbares Phänomen das in seiner Ausprägung und Gestalt der bewussten und unbewussten
Interpretation durch das Individuum unterliegt. Diese Komplexität macht offensichtlich dass
die empirischen medizinischen Wissenschaften alleine nicht alle Aspekte von Schmerzen erklären
können. In diesem Text soll daher eine Charakterisierung des Schmerzes unter Einbeziehung einer
philosophischen - phänomenologisch und enaktivistisch geprägten - aber auch
neurowissenschaftlichen Perspektive angestrebt werden. Als Leitstruktur dieser Betrachtung
dient das Konzept der leiblichen Grenze. Anhand dieser interdisziplinären Herangehensweise soll
aufgezeigt werden dass Schmerz die Ausbildung des autonom in seine phänomenologische Nische
hineinhandelnden Individuums und somit die Realisierung dessen freien Willens bis hin zur
Existenzauslöschung behindert. Eine möglicher Lösungsansatz kann aus der Psychologie abgeleitet
werden: Techniken die auf kognitiv-behavioraler Intervention Achtsamkeitstraining und
existenzieller Analyse beruhen verschaffen Patienten mit chronischen Schmerzen potenziell
Linderung. Vor diesem Hintergrund endet diese Arbeit mit einem Ausblick auf die existenzielle
Psychotherapie.