Um es vorwegzunehmen: bei aller Kritik an der Erzählung hat Arnold Stadler mit diesem Buch eine ungeheure Gabe zur Beobachtung und minutiösen Wiedergabe von Situationen unseres modernen Alltags unter Beweis gestellt. Er durchschaut, sezieret akribisch die Oberflächlichkeit der im Wohlstand ertrinkenden Menschen, er verlacht die Konsumgesellschaft ohne jede Nachsicht. Doch macht er das gut? Hier antworte ich allenfalls eingeschränkt mit JA. Er bedient sich hierbei doch diverser Klischees und macht sich mit nicht selten vorkommenden Abschweifungen und leider mitunter überflüssigen Zeitsprüngen schuldig, die Geduld und Mühen des Lesers ein wenig strapaziert zu haben. In Sachen Klischee darf sicherlich zunächst die wenig lebendige und nicht sehr tiefgründig daegestellte Figur des Adrian als Beispiel dienen. Da kommt ein Asylant irgendwo aus Südeurpa und wird von einem Pärchen, das sich schon lange auseinandergelebt hat aufgenommen und sogar adoptiert, nicht einmal aus reiner Menschenliebe, sondern weil diese Maßnahme erfrischend erscheint in dem Sumpf der vergeblichen Versuche des Entrinnens aus den Fängen eines leblosesn Lebens und immer noch besser als nichts zu tun. Natürlich erleichtert Adrian das Paar um ein Paar Habseligkeiten, tötet die Katze und macht sich mit der Frau Gabi aus dem Staub. Zurück bleibt der frustrierte Ich - Erzähler, der sich für eine Beerdigung zurück in seine Heimat begibt, nach "Kreenheinstetten", um dort seine etwas belanglose Vergangenheit aufzuarbeiten. Während dieser Beschreibungen entnervt der Erzähler den Leser mit unzähligen, recht willkürlichen Zeitsprüngen, die die Lektüre keineswegs vereinfachen. Die Geschichte, die Idee zu diesem Buch ist gut, die Ausführung nicht immer: beispielsweise wird der Alltag der Handchirurgin Gabi doch recht eingehend ausgeleuchtert (ohne, daß dieser es wert scheint), andererseits bleibt die Figur des ganovenhaften Latin - Lovers Adrian doch sehr vage und undurchsichtig. Überhaupt wirk der Stil streckenweise recht lapidar und gleichgültig. So ist die Szene, in der Adrian den Erzähler tätlich angreift und verletzt, etwa so interessant geschildert, wie die Gebrauchsanweisung eines Kühlschrankes, auch die Emotionen des Erzählers beim Verschwinden seiner Frau sind doch eher kümmerlich geschildert in einer lapidaren, emotionslosen Sprache. Insgesamt ein lesenswerter Roman von einem Autor, der wahrscheinlich viel mehr kann, als er hier gezeigt hat. Die Gleichgültigkeit eines von einem bedeutungslosen Leben gesättigten Menschen zu beschreiben scheint ein lohnendes Thema für ein Buch zu sein. In diesem Falle war die Konzentration an Gleichgültigkeit jedoch eine Spur zu groß.
"dass wir beim Lesen empfinden, wir läsen gar nicht mehr in einem anderen Leben, sonder im eigenen", wie Martin Walser laut Klappentext sagt, kann eigentlich nur jemand bestätigen, dessen Leben ebenso langweilig ist wie das des Ich-Erzählers, eines frühpensionierten Lehrers. Wie sonst ließe sich erkläre, dass das gut situierte, aber dennoch finanziell angeschlagene Kölner Ehepaar (besagter Lehrer und Frau Gabi, eine Handchirurgin) den zwielichtigen Adrian aufnehmen, ihn adoptieren und sich von ihm schikanieren lassen. Eine bizarre und selbstzerstörerische Form von Kitzel, sich einseits von einem Menschen schlagen, quälen und ausrauben zu lassen, andererseits Angst zu empfinden, wenn dieser für einige Tage verschwunden ist. Während der Lehrer Nabelschau betreibt und seine Ehe seziert, geht Gabi mit Adrian auf und davon.Den zweiten Teil des Buches, der Besuch des Frühpensionärs in seiner alten Heimat Krennheinstetten, finde ich wesentlich gelungener. Zwar dreht sich weiterhin alles um den Erzähler, seine Biografie und Befindlichkeit, aber das Gefüge des dörflichen Milieus, die Spurensuche, die Entwicklung und das Leben der Daheimgebliebenen brechen die Ich-Bezogenheit etwas auf und lassen andere Personen zur Geltung kommen. Falls der Erzähler sich aufgemacht hatte, ein neues-altes Leben zu finden, scheitert er auch hier: Die Menschen und seine Beziehungen zu ihnen sind überall gleich, egal ob in Köln oder Kleenheinstetten, und wenn es so etwas wie Verbundenheit, Freundschaft oder Liebe gibt, so existiert sie doch nur in der Erinnerung.
Ein hinreissender Schrotthändler - das ist nach m.Meinung ein Schrottbuch. Ein echter Schmarrn. Bpchner-Prewis und Walser-Lob bringen auch nichts, denn Petrus wird den Autor nicht in den Himmel lassen mit der Bemerkung: du hast zu viel unnütze Worte benutzt.