Für Erich Fromm ist der Ungehorsam ein zutiefst menschlicher Akt ohne den es weder Wachstum
noch Befreiung und Freiheit gibt. Heute fordern anonyme Mächte - etwa des Marktes der
Sachzwänge der Gewinnmaximierung der Selbstoptimierung - Gehorsam ein. Angesichts der
Bedrohung der Menschheit durch solche Appelle ist die Frage des Ungehorsams von höchster
Aktualität. In den Essays des erstmals kurz nach Fromms Tod veröffentlichten Bandes wird die
politische Bedeutung der Fähigkeit zum Ungehorsam deutlich: Auf dem Höhepunkt des Kalten
Krieges verfasste Fromm ein politisches Manifest und Programm das den Menschen wieder zum Maß
des wirtschaftlichen politischen und sozialen Handelns macht. Auch gegen den Wahnsinn atomarer
Hochrüstung hilft nur eine Friedensstrategie bei der der Ungehorsam eine entscheidende Rolle
spielt.