John Olday (1905-1977) war ein typischer Repräsentant des frühen 20. Jahrhunderts: Begabt mit
vielen Talenten den Kopf voller Ideen und auf der ganzen Welt zuhause. Als uneheliches Kind
von der Mutter verlassen und bei der Großmutter aufgewachsen begeistert er sich für die
anarchistischen Denker aus Russland und Frankreich und widmet sein ganzes Leben den Idealen
eines antikapitalistischen staatsfreien Gemeinwesens. Auch seine Kunst als Maler und Musiker
soll diesem Gemeinwesen dienen. Während des Nationalsozialismus flieht er nach England von
dort lädt ihn ein Freund nach Australien ein wo er die große Liebe seines Lebens kennenlernt.
Nach dem Krieg avanciert er zum ersten liebevollen Karikaturisten schwulen Lebens dessen
Arbeiten international veröffentlicht werden. Auf der Grundlage zweier autobiografischer Texte
sowie des endlich aufgetauchten Nachlasses Oldays zeichnet Klaus Sator das Bild eines Menschen
dessen große Ziele immer wieder an der Wirklichkeit scheitern und der doch niemals den Mut
verliert nach seinen Idealen zu leben. In Oldays Selbstreflexion vermischt sich offenbar
gelegentlich Wunsch und Wirklichkeit. Durch eigene Rercherchen und Interviews mit Freunden und
Bekannten Oldays versucht Sator die Spreu vom Weizen zu trennen herausgekommen ist das
Porträt eines unkonventionellen liebenswürdigen Menschen - cum grano salis.