Die gesellschaftliche und juristische Bewertung von Kinderpornografie hat sich in den
vergangenen Jahrzehnten verändert. Während noch in den 1990er Jahren Zeitschriften mit
kinderpornografischen Inhalten frei verkäuflich waren gelten diese Darstellungen heute als
schwere Straftaten. Daran wird deutlich dass sich das Verständnis von Kriminalität im Laufe
der Zeit ändern kann denn kriminelle Handlungen beruhen nicht auf objektiven Merkmalen
sondern sie werden erst in einer wertenden Zuschreibung zu einem strafbaren Delikt. Ausgehend
von einem konstruktivistischen Verständnis sozialer Wirklichkeit untersucht diese
Forschungsarbeit wie sich Kinderpornografie als kriminelle Handlung im justiziellen Diskurs
konstituiert wie sich das Kinderpornografie-Dispositiv in den vergangenen zwei Jahrzehnten
verändert hat und wie sich diese Veränderung in der Sanktionierungspraxis widerspiegelt. Hierzu
wurden Kinderpornografie-Strafprozessakten der Staatsanwaltschaft Köln aus den Zeiträumen
2007-2008 und 2015-2022 mit dem Instrument der Kritischen Diskursanalyse ausgewertet.