Dieser Ratgeber ist ganz eindeutig etwas für psychologieinteressierte Laien, die etwas über ihre und andere Gefühle lernen wollen. Den Autorinnen geht es darum, die eigenen Gefühle – sich und anderen gegenüber – zu verstehen … und zu steuern; und dies sowohl in die Richtung, sich auf jemanden intensiv einzulassen, als auch dahingehend, dass (und wie) es möglich ist, sich auch durch eine distanzierte Haltung vor schädlichen Gefühlen zu schützen … Auch wenn immer mal wieder von hochsensiblen Menschen die Rede ist, richtet es sich meiner Meinung nach absolut genauso an Menschen, die einfach etwas über den eigenen Umgang mit ihren Gefühlen dazulernen wollen. (Ich denke sogar, dass die Thematik der Hochsensibilität eher in das Buch eingewoben wurde, um den Ratgeber auch für diese Gruppe wertvoll zu machen …).Zunächst stellen die Autorinnen ganz allgemeine Überlegungen zum Thema Gefühle und Emotionen an (wobei sich auch den interessanten und wichtigen Unterschied zwischen diesen beiden „inneren Zuständen“ erläutern). Dann bewegen sie sich langsam vor zu der Frage, wie sich Gefühle analysieren UND bewusst (positiv) beeinflussen/steuern lassen.Eine der grundlegenden Thesen des Buchs ist es, dass es von grundlegender Bedeutung ist, seine Gefühle zu hinterfragen, wenn man Ausgeglichenheit und Wohlbefinden erleben will. Dieses Bewusstmachen von Gefühlen ist einer der Schlüssel zu sich selbst – und zu seinen Reaktionen nach außen. Wem dies etwas zu rational klingt, dem sei gesagt, dass die Bedeutung von intuitivem Verhalten damit keineswegs geleugnet wird. Viel eher geht es darum, seinen eigenen Gefühlen dann auf den Grund zu gehen, wenn sie einen belasten … Man kann diese grundlegende Erkenntnis sicher auch unter der Überschrift „Achtsamkeit“ fassen, doch sie wird in diesem Buch sehr viel weitergesponnen und anhand vieler Beispiele und weiterer Überlegungen sehr differenziert in all ihren Verästelungen weiterentwickelt. Dazu kommt eine Vielzahl konkreter Gedanken- und Körperübungen (ein sogenanntes Empathie-Training), durch die die theoretischen Überlegungen in ganz praktische Handlungsratschläge überführt werden (können). Ich finde es sehr gelungen, wenn der Fokus in Büchern wie diesem darauf liegt, wie man theoretisches Wissen im Alltag leicht in praktisches Handeln überführt.Egal ob man nun hochsensitiv (Hoch- oder Vollempath) ist oder nicht, ist es ganz sicher sehr hilfreich (und gesund), wenn man einen Zustand erreichen kann, der im Buch „gelöst empathisch“ genannt wird (ab S. 96). Der Beschreibung nach kann man ihn tatsächlich als so etwas verstehen wie „buddhistische Gelassenheit“. Man könnte auch einfach sagen, dass es sich um einen Zustand handelt, den man als „mit sich und seinen Gefühlen im Reinen sein“ bezeichnen könnte. Dass es in Wahrheit und Realität nicht einfach sein dürfte, diesen Zustand zu erreichen, wird nicht verwundern (umso mehr, wenn er „dauerhaft“ sein soll). Auf jeden Fall aber gibt dieses Buch sehr gute Anhaltspunkte, wie man sein Leben „gelöst(er) empathisch(er) (er)lebt“, z. B. durch: Achtsamkeit, Distanz bei gleichzeitiger Einfühlung, Unterscheidung von Eigen- und Fremdgefühlen, einen sicheren Ort … Für mich war/ist dieses Buch auf jeden Fall eine hilfreiche Inspirationsquelle für ein gelöst(er) empathisches Dasein ;-).Fazit: Ich halte das für ein richtig gutes populärwissenschaftliches Sachbuch. Obwohl ich mich sicher nicht als hochsensible Persönlichkeit bezeichnen kann (ich bin höchstens etwas „sensibel“), habe ich aus diesem Ratgeber zum Umgang mit den eigenen Gefühlen sehr viel wertvolle Erkenntnisse mitgenommen. Ich fand es lehrreich, hilfreich und alltagstauglich. Mein Prädikat: gerne fünf Sterne.