WikiLeaks blamiert zuerst eine Weltmacht und dann sich selbst. Blogger prangern einige wenige
bis dahin unbeachtet gebliebene Sätze des Bundespräsidenten an und forcieren im Verbund mit
klassischen Massenmedien seinen Rücktritt. Politikerstürzen über Plagiate die sich im Netz
detailgenau dokumentieren lassen. In die falschen Kanäle gelangte Fotos und Handyvideos
SMS-Botschaften und Twitter-Meldungen beenden Karrieren und werden zu global zirkulierenden
Beweisen eines Vergehens die sich nicht mehr aus der Welt schaffen lassen. Immer mehr Daten
lassen sich immer leichter verknüpfen rekonstruieren dauerhaft speichern - und eines Tages in
öffentliche Dokumente der Diskreditierung verwandeln die sich nicht mehr nur gegen Mächtige
undProminente sondern auch gegen Ohnmächtige und gänzlich Unbekannte richten. Blitzschnell
sind im digitalen Zeitalter Transparenz und Aufklärung möglich - und in rasender
Geschwindigkeit verbreiten sich Falschmeldungen bilden sich Wut- und Empörungsgemeinschaften
die mit Schicksalen auf einer weltweit sichtbaren Bühne spielen. Dieser materialreiche Essay
ist eine Provokation. Zur Debatte steht die Diagnose der Autoren: Der Skandal ist kein
Distanzereignis mehr sondern hat unser aller Leben erreicht. Der Titel wurde 2014 ins
Englische übersetzt.