Wollte es mir vor zwei Jahren schon zulegen, damals kostete es aber 60 Euro.Eine wissenschaftliche Arbeit, die Potential für mehr hat und in keiner Schublade verschwinden sollte! Denn schon "damals" war man sich über Maßnahmen wie "Corporate Identity", "Branding" u.ä. bewusst. Diese Arbeit dokumentiert dies und bereitet es auf, als würde das "NS" System in seiner Öffentlichkeitsarbeit von einer HEUTIGEN Agentur bearbeitet werden.
★★★★★
Fuchs Werner T. Dr
14.05.2024
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Als ich 1969 auf die dritte Auflage von Victor Klemperers Buch „LTI – Notizbuch eines Philologen stieß, war ich zutiefst betroffen und gleichzeitig fasziniert. Denn der 1960 verstorbene Literaturwissenschaftler konnte nachvollziehbar „erklären“, weshalb die Sprache der Nationalsozialisten ins Unterbewusste der Menschen eindringen konnte. Auch wenn sich in den folgenden Jahren auch andere Sprachwissenschaftler mit den Propagandamitteln der Nazis beschäftigten, war Klemperers Pionierarbeit die Grundlage. Ich erwähne das 1946 erstmals erschienene Buch, weil ich mir nach der Lektüre gewünscht hatte, auch in ein Werk eintauchen zu können, das sich mit der visuellen Propaganda der Nazis beschäftigt.Doch den Verführten aufzeigen, wie sie sich verführen ließen, war lange Jahre ein Tabu. Die Ausstellung „Typographie des Terrors – Plakate in München von 1933 bis 1945“ wurde heftig und teilweise unter der Gürtellinie kommentiert. Am Thema „Kunst und Ideologie“ verbrennt man sich schnell mal die Finger. Das weiss natürlich auch Andreas Koop, der Autor dieses Buches. Daher wählte er wohl das Konzept, die visuelle Propaganda der Nationalsozialisten in ein fiktives „Corporate Identity-Manual“ einzubetten. Das schafft Distanz und lässt Vergleiche zu. Allerdings muss sich der Leser damit abfinden, dass Koop nicht sauber zwischen CD und CI unterscheidet. Selber in der Branche tätig, haben mich unklare Abgrenzungen nicht gestört.Mein Gewinn ist die gewonnene Übersicht. Denn Koop legt eine überzeugende Sammlung von Beispielen aus den verschiedensten Gebieten vor. Nach dem etwas zu lang geratenen Kapitel über die „Völkische Bewegung“ zeigt er uns CI-Typisches der Nazi-Propagandisten. Farb- und Schriftkonzepte, Plakate, Bilder, Flaggen, Symbole, Printmedien, Filme, Embleme, Uniformen, Gebrauchsgraphik, Eroberung des öffentlichen Raums.Die teilweise allzu klein abgedruckten Bilder und Dokumente hat wohl das Pricing verschuldet. Bestimmt bin ich nicht der Einzige, der größere Abbildungen gegen weniger Text eingetauscht hätte. Zumal der Designer Andreas Koop zwar ziemlich gut schreiben kann, aber in den Fächern Wahrnehmungspsychologie und Verhaltensökonomie nicht zu den absoluten Koryphäen gehört. Und damit schließt sich der Kreis zum eingangs erwähnten Buch von Victor Klemperer. Denn über das Warum einer visuellen Verführungskraft hätte ich gerne noch mehr gewusst.Mein Fazit: Obwohl es inzwischen etliche Publikationen zur visuellen Propaganda des Nationalsozialismus gibt, füllt Andreas Koops Buch doch eine Lücke. Denn unter dem Dach eines fiktiven Corporate Design-Manuals geht der deutsche Designer auf die verschiedensten Anwendungen visueller Gestaltung ein. Die Abbildungen sind zwar oft etwas klein geraten, aber dafür in einer guten Druckqualität. Und die Kritiken der ersten beiden Auflagen hat er sich offenbar so zu Herzen genommen, dass einer Fünfsternebewertung nichts im Wege steht.