Seit 1884 war Deutschland eine Kolonialmacht. Und doch sind Details über die deutsche
Kolonialzeit in der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt: Nicht nur in Afrika hatte
Deutschland Kolonien sondern auch in China und Ozeanien. Doch im deutschen
Geschichtsunterricht kam die Epoche bei vielen kaum zur Sprache in der öffentlichen Debatte
spielt sie keine Rolle. Und so hört man bis heute immer wieder die Behauptung Deutschland sei
kolonial unbedeutend oder weniger brutal gewesen als andere Staaten. Wie es wirklich war
darüber berichtet die aktuelle Ausgabe von SPIEGEL GESCHICHTE. Das Magazin liefert
Grundlagenwissen über den deutschen Kolonialismus: Es erklärt welche Rolle Deutschland im
Kolonialismus spielte - und warum die Auswirkungen dieser Zeit noch heute zu spüren sind. Es
zeigt dass der Wunsch nach Beherrschung ferner Länder nicht "von oben" aus der Politik kam
sondern in der Gesellschaft tief verwurzelt war. Es erläutert warum der Rassismus eine
entscheidende Grundlage für die koloniale Ausbeutung war. Und es macht deutlich welche
Verbrechen deutsche Beamte und Soldaten in den Kolonien begingen. Im Mittelpunkt dieses Heftes
steht die Perspektive der Menschen aus den Kolonien: Anhand beispielhafter Schicksale sowie der
Schilderungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen beschreibt SPIEGEL GESCHICHTE was die
Einheimischen nach der Besetzung ihrer Länder durch die Deutschen erlebten wie sie etwa von
Missionaren oder Ärzten behandelt wurden oder auf welche Weise sie sich gegen die Besatzer
wehrten. In der Gesamtschau wird deutlich: Die Deutschen profitierten nicht erst seit 1884 vom
Kolonialismus und der koloniale Gedanke endete nicht 1918. Eine gesellschaftliche
Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialzeit und ihren Folgen ist überfällig - dieses Heft
liefert dafür Impulse.