Seit dem Tod Viktor E. Frankls (1905-1997) ist das Interesse an der von ihm entwickelten
"Dritten Wiener Schule der Psychotherapie" - der Logotherapie - sprunghaft angestiegen. Viele
Menschen fühlen sich weltweit von seiner schlichten und doch so faszinierenden "Ärztlichen
Seelsorge" berührt und angesprochen. Besonders die Einbeziehung der Sinnfrage in alle Belange
gelingenden Lebens findet gegenwärtig ein außerordentlich zustimmendes Echo. Nicht nur
Suchtgefährdete sondern auch Angehörige von Suchtkranken können seelisch heil bleiben.
Voraussetzung dafür ist dass sie erstens sich voll Liebe und ohne Angst auf den Weg machen
zweitens den Humor nicht verlieren drittens untereinander zusammenhalten viertens Konflikte
durch gemeinsame Beschlüsse lösen fünftens ihre eigene Lebenskultur bewahren. Die genannten
fünf Punkte sind zugleich Kennzeichen gelungener Identitätsfindung denn sie besagen nicht
weniger als dass ein Mensch mit sich selbst übereinstimmen kann und auch unter enormem Druck
nicht an sich selbst zweifeln muss. Liebe und Humor befreien ihn zur ungebremsten Vitalität.
Kooperation und Entschlusskraft stärken ihn an seinen Grenzen. Das innere Niveau schreibt seine
Geschichte. Wer mit Abhängigen beruflich oder familiär eng zu tun hat sollte solcherart in
sich gefestigt sein. Denn das Gegenteil von Abhängigkeit ist eigentlich nicht Unabhängigkeit
(die wir anfällige Wesen zur Gänze sowieso niemals erlangen) als vielmehr Identität. Es ist
die Treue zum Besten in uns selbst.