Das Theorem der Landnahme wird derzeit breit diskutiert. Obwohl der Bereich der Reproduktion
fortwährend von solchen Enteignungsprozessen betroffen ist werden diesbezügliche Landnahmen
bisher jedoch wenig thematisiert. Tove Soiland zeigt im Anschluss an Rosa Luxemburg dass diese
an Raub grenzenden Formen der Ausbeutung gerade auch in weit entwickelten kapitalistischen
Gesellschaften bestehen und in besonderer Weise den Bereich der Reproduktion betreffen. Sie
verdeutlicht dass die in den letzten Jahrzehnten erfolgten Restrukturierungen in der
Reproduktion einen massiven Ressourcenabzug bedeuten. Dieser zeigt sich nicht nur in der
Überführung von unbezahlter Care-Arbeit in kommodifizierte Care-Dienstleistungen. Neuere Formen
der Landnahme resultieren auch aus der Ersetzung von Care-Arbeit durch technische und digitale
Lösungen für die die Corona-Krise mit ihrem Gesundheitsparadigma einen wesentlichen
Katalysator darstellte. Neben Analysen zur Landnahme im Bereich der Reproduktion liegen in
diesem zweiten Band mit Schriften der feministischen Marxistin Tove Soiland Aufsätze vor die
aus psychoanalytischer Perspektive nach den gegenwärtigen Subjektivierungsweisen der
patriarchalen Herrschaft im Geschlechterverhältnis und einer neuen Form des Totalitären fragen.
Damit wird eine Kritik des gegenwärtigen Kapitalismus entfaltet die für eine zeitgemäße linke
und feministische Gesellschaftskritik wegweisend ist.