Ausgangspunkt des Buchs "Black Ark" mit dem bis zuletzt in der Schweiz lebenden jamaikanischen
Musiker und Künstler Lee «Scratch» Perry (1936-2021) bildet ein ausführliches fotografisches
und schriftliches Inventar (Frühjahr 2021) der Black Ark Studios in Kingston Jamaika wo Lee
ab 1973 seine Musik produzierte: Er war einer der prägenden Pioniere des Dub - einem
elektronischen Subgenre des Reggae das sich Samplings Loopings Remixings sowie Reverbs und
Echos für das Schaffen wie auch die Bearbeitung und Appropriation bereits bestehender Songs und
Tracks bedient. An diesem Ur-Ort des Dub fand Lee «Scratch» Perrys musikalische
Herangehensweise erstmals auch ihre visuelle Entsprechung die sein Werk als bildender Künstler
prägte: in Form von kontinuierlich fortgeführten Wandmalereien und -zeichnungen sowie
gestaltwandlerischen Assemblagen bestehend aus Platten Instrumenten Gefundenem Postern
sowie Zeitungs- oder Zeitschriftenbildern und appropriierten Büchern - eigentliche Strata die
sich mit der Architektur des Ortes aber auch dem sich darin befindlichen Mobiliar und
schliesslich der Biografie und Persona Perrys assoziativ-rhizomatisch verbinden. Perry schuf
sich so ein ganz eigenes dichtes Universum das bevor es ein für allemal verschwindet in
"Black Ark" festgehalten wird: die Liegenschaft ist mittlerweile verkauft. Mit der
fotografischen Dokumentation einher ging auch die Sicherung und Konservierung der Perry'schen
Objekte Werke und Aufnahmeträger im Rahmen eines Projekts in Zusammenarbeit mit der
Smithsonian Institution Washington D.C. In dem im Austausch mit Perry konzipierten Buch
sollen sich Rhythmik und die Schichtung collagierender Verfahren spiegeln und auf inhaltlicher
wie materieller Ebene erfahrbar werden. In "Black Ark" verschränken sich verschiedene mediale
und zeitliche Ebenen. Aufnahmen des Black Ark Studios aus den letzten Jahren werden Material
aus alten Dokumentarfilmen und Archivbildern aus Perrys Fundus gegenübergestellt. Die Idee des
«Hauses» dient dabei sowohl als Arbeitshypothese wie auch als Metapher: Es ist Ausgangs- wie
Endpunkt verschiedener thematischer Stränge die sich visuell aber auch textlich um das Studio
winden.