Bundeswehr Mitte der 1970er Jahre: Nach reiflicher Überlegung bejaht Jörgen Noste den Dienst
für die Demokratie. Auch hält er das Konzept einer Wehrpflicht in der 'Friedensarmee von
Bürgern in Uniform' für plausibel. Nach der Grundausbildung trifft er jedoch auf eine verrohte
Soldatenwelt voll offener Schikane von verborgenen Hierarchien rücksichtslosem und arrogantem
Gehabe sexistischen Fantasien und latentem Neonazismus. Sich hier zu entziehen macht viele
Kameraden misstrauisch. Auch von seinem Freundeskreis wird Jörgen zunehmend ausgegrenzt weil
er nicht "verweigert" hat. Als ihn sogar seine langjährige Freundin betrügt spitzt sich das
Geschehen dramatisch zu: Jörgen stürzt in tiefe Selbstzweifel und verliert den Glauben an den
Sinn seiner Tätigkeit. Um der Freundin zu imponieren begeht er Fahnenflucht. Doch die
Feldjäger spüren ihn bald auf ... Stefan Bittner legt einen spannenden historischen Roman mit
hoher Authentizität vor: Selten ist der Alltag in der Kaserne und die Freizeit der Soldaten in
einer kleinen Bataillonsstadt eindrucksvoller beschrieben worden. Kein Wunder denn der Autor
stützt sich auf eigene damalige Notizen und zieht Tagebücher ehemaliger Kameraden heran. Nicht
zuletzt bietet der 'Pappkamerad' einen Beitrag zur aktuellen politischen Debatte über die
Wiedereinführung der Wehrpflicht für Männer und bietet einen lehrreichen Einblick in das
angeblich paradiesische Leben der 'Baby-Boomer-Generation'.