Kein Seeoffizier war so lange Chef des Admiralstabs der Kaiserlichen Marine wie Wilhelm
Büchsel! Dies verdient angesichts der besonderen Rolle der deutschen Seestreitkräfte und ihrer
unübersichtlichen Kommandostruktur unter der Herrschaft Kaiser Wilhelms II. besondere
Beachtung. Vor allem dem konkurrierenden Reichsmarineamt mit seinem übermächtigen
Staatssekretär Alfred (von) Tirpitz vermochte Büchsel nur schwer zu begegnen. Dabei zeigt sich
in beiden Persönlichkeiten die in der Crew 65 gemeinsam ihre Ausbildung als Seekadetten
begannen wie stark charakterliche Eigenschaften auf die politischen und militärischen
Entscheidungen im Kaiserreich durchschlagen konnten was auch an der Tatsache deutlich wird
dass Büchsel im Gegensatz zu Tirpitz nie den Adelsbrief erhielt. Die Flottenbauprogramme
seines Kollegen tatkräftig unterstützend versuchte der zurückhaltende und äußerst loyale
Admiralstabschef mit profunder militärischer Expertise später die im anvertraute Behörde zu
stärken damit sie als operatives Führungsorgan arbeitsfähig war. Auch hinsichtlich der dafür
nötigen langfristigen marine-strategischen Planungen wollte Büchsel den Admiralstab
emanzipieren. Das betraf die Informationsbeschaffung finanzielle und personelle Ausstattung
sowie Seeoffiziersausbildung. Im Gegensatz zu Tirpitz waren Büchsels Operationspläne stärker
defensiv ausgerichtet was sich in der Priorisierung Kleiner Kreuzer und der Vermeidung einer
Entscheidungsschlacht mit der Grand Fleet in der Nordsee zeigt. Letztlich scheiterte jedoch
auch Büchsel am Machtanspruch seines Kollegen ... Mit seinem Werk zeichnet der Autor erneut
historische Grundlinien nach diesmal solche der preußisch-deutschen Marinegeschichte bis zum
Ende des Ersten Weltkrieges.