Überaus spannend - teils nachdenklich teils traurig teils amüsant - liest sich der
facettenreiche Werdegang der guten alten Steyrtalbahn. Neuland beschritten ihre Erbauer schon
bei der Wahl der Spurweite dann bei der Entwicklung der dazu passenden Fahrzeuge bis hin zu
den bahnbrechenden Brückenkonstruktionen wobei der Stahlbetonbau in ganz neue Dimensionen
vorstieß. Galt es vorrangig der Land- und der Holzwirtschaft der Eisen- und der
Waffenindustrie neue Perspektiven zu öffnen so nahm gleichfalls der Fremdenverkehr dank der
besseren Reisemöglichkeiten einen steten Aufschwung. "Hier ist es wo man die kürzeste Strecke
in der längsten Fahrzeit zurücklegen kann" hieß es in den 20er Jahren. Erste Gedanken an eine
"Steyrthal-Bahn" gab es schon 1880 dann kamen hochtrabende Projekte mit Fortsetzungen bis ins
Salzkammergut auf. Realisiert wurde die Stammstrecke Garsten - Klaus mit ihrem Flügel Pergern -
Bad Hall in den Jahren 1888 bis 1909 schließlich nach dem neuen Lokalbahngesetz durch eine
Aktiengesellschaft. Das Beförderungsaufkommen entwickelte sich günstig die Aktionäre freuten
sich regelmäßig über Dividenden aber immer wieder brachten Überschwemmungen den Bahnbetrieb
zum Erliegen und verursachten immense Schäden. Ende der 20er Jahre geriet die Gesellschaft
immer tiefer in die roten Zahlen während der Weltwirtschaftskrise mußte sie sogar schon die
Gesamteinstellung verkünden. Ein Rettungsanker war dann der Übergang der Be-triebsführung an
die BBÖ im Jahr 1931 als die Steyrtalbahn wie ein Spielball in eine Korruptionsaffäre
verstrickt war. Eine Blütezeit folgte in den 30er Jahren sowohl die Wirtschaft als auch der
Tourismus boomten. Unter der Deutschen Reichsbahn wandelte sich der Fahrzeugpark erheblich ein
Grundübel blieb allerdings das mühsame Umladen der Frachten in den Übergangsbahnhöfen. Als nach
dem 2. Weltkrieg die Kraftfahrzeugkonkurrenz ständig anwuchs konnte die vielgeliebte jedoch
überalterte Steyrtalbahn nicht mehr mithalten. Schritt für Schritt "erlösten" die Bundesbahnen
sie von ihrem Dasein - sehr zum Verdruß der Anwohner der Wirtschaftsbetriebe und der zahllosen
Eisenbahnfreunde aus aller Welt. Immerhin gelang es den Abschnitt Steyr - Grünburg mit viel
Enthusiasmus museal für die Nachwelt zu erhalten. Wir schauen uns die Technik und Lebensläufe
der einzelnen Fahrzeuge an der Urahnen aus der Zeit der alten Steyrthalbahn AG der
zahlreichen Vertreter der klassischen Reihe U oder der hier nur kurze Zeit aktiven Reihen Uh
und KDL 11. Wir ergründen die vielen ab 1945 im Steyrtal hinterstellten
Heeresfeldbahnlokomotiven und werfen einen Blick auf das Diesellokprojekt "2094". Wagen für
Wagen bis hin zu den Bahndienstfahrzeugen betrachten wir den umfangreichen Fahrzeugpark für den
Personen- und Güterverkehr. Ein altgedienter Lokführer - der mit der weißen Kappe - entführt
uns in die Alltagswelt der Eisenbahner der Steyrtalbahn und wir lernen Menschen kennen vom
Streckengeher bis hin zum Betriebsdirektor die bei der Steyrtalbahn nicht nur ihr täglich Brot
verdienten sondern auch verantwortungsvoll ihre Geschicke mitgeprägt haben. Wir machen einen
Abstecher nach Bad Hall schauen uns in den Stationen der Flügelstrecke um und schließlich
schwelgen wir in Nostalgie und begeben uns zurück in die holprigen Anfangsjahre der Museumsbahn
Steyr - Grünburg der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte.