Hiltu die Tochter von Jussi Toivala kommt als Dienstmädchen ins Haus der Rektorsfrau
Palmerus. Die misstrauische Dame des Hauses kann sich kein zuverlässigeres Mädchen wünschen als
Hiltu und schon bald hat sie so viel Vertrauen zu ihr geschöpft dass sie es sogar wagt sie
alleine zu lassen und eine Nacht außer Haus zu verbringen. Mit im Haushalt lebt allerdings auch
der lebensdurstige Ragnar der noch nicht ganz erwachsene Sohn des Hauses der auf der Suche
nach jugendlichen Abenteuern ist. Eine für Hiltu fatale Konstellation: Als die Rektorsfrau eine
Nacht verreist ist lädt Ragnar ein paar Freunde zu sich nach Hause wo sie ein Zechgelage
veranstalten. Hiltu ist die einzige Frau im Haus und die verhängnisvolle Nacht nimmt ihren
Lauf. "Er besitzt eine seltene Fähigkeit das Wesen des Menschen aus dem mythischen Dunkel
seines Urzustandes ans Licht zu bringen" schrieb der finnische Literaturkritiker Lauri
Viljanen einmal über Frans Eemil Sillanpääs Erzählkunst und in "Hiltu und Ragnar" ist das aufs
Schönste zu sehen. Sillanpää bedient alle Register seines Könnens zeigt die Unausweichlichkeit
menschlicher Begegnungen erzeugt in der Geschichte wie auch in der Sprache eine schmerzliche
Schönheit die immer geprägt ist von großer mitfühlender Menschlichkeit. "Hiltu und Ragnar"
beschreibt eine vermeintlich kleine tragische Liebesgeschichte von wenig mehr als 100 Seiten
die ihre Größe dadurch erlangt dass sie direkt und ohne ablenkende Ausschmückungen zu einer
existenziellen Unausweichlichkeit vordringt. Man fühlt mit Hiltu bangt um sie wünscht sich
nichts sehnlicher als dass alles ein gutes Ende nimmt.