Die Uhren in Mutters Zimmer ist ein nichtlinear erzählter Roman mit dramatischen Höhepunkten
der trotz seiner Vielschichtigkeit sehr ausgewogen ist. Den Haupterzählstrang bildet die
Geschichte von Müttern und Töchtern die sich über mehrere Generationen erstreckt es ist aber
auch eine Geschichte vom Leben der Frauen im ehemaligen Jugoslawien ihrer vernachlässigten
Rolle bei großen historischen Umbrüchen aber auch den kulturellen Schablonen die die Rolle
der Frau allzu oft ignorieren. Die stets aktuelle Frage nach der Frau in der patriarchalischen
Gesellschaft wird neu gestellt und überzeugend aktualisiert. Der Krieg stellt in diesem Kontext
lediglich ein extremes unausweichliches Hintergrundereignis dar. Die Sprache ist durchweg sehr
gewaltig und lyrisch niemals anklagend oder analysierend die Bilder von einzigartiger Reife
und Prägnanz. Die zärtliche Erinnerung an die Zeit bevor die Uhren im Zimmer der Mutter für
immer verstummt sind zieht sich durch das ganze Werk und gipfelt in einem hochemotionalen
Bewusstseinsstrom zum Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Martin Heidegger. Mutterschaft
wird hier viel komplexer als generell von der Gesellschaft akzeptiert dargestellt nicht nur
die Mutterrolle sondern auch das Rollenbild von der Kindheit bis ins reife Alter.