'Gott und die Welt' - nicht mehr und nicht weniger beschäftigt Marie Luise Kaschnitz in den
sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in ihren Aufzeichnungen. Die anstehenden Stürme der
Studentenrevolution und der sich bald formierenden außerparlamentarischen Oppositionen sind in
den Gedanken der Dichterin bereits präsent. Ausgangspunkt ist eine drohende Kündigung ihrer
Wohnung im Frankfurter Westend eine damit verbundene existentielle Beunruhigung in der sie
die Stadt erlebt - und so von den Nöten ihrer Bewohner erzählt. Und in denen Themen aufleuchten
die uns heute noch und wieder beschäftigen: die Zukunft der Arbeit die Bedrohung durch
technische Entwicklungen die Veränderungen in der Natur. Der Lebensmittelpunkt der Kaschnitz
ist das sich verändernde Frankfurt das sie fasziniert und geradezu fesselt. 'Ich bin oft genug
gefragt worden warum ich diese hässliche Stadt nicht verlasse um wie die meisten anderen
Schriftsteller in ein hübsches Landhaus zu ziehen ...' - auf diese Frage hatte sie keine
Antwort aber sie blieb. Und hinterließ uns ihre wunderbaren erhellenden Aufzeichnungen die
uns - zum 125. Geburtstag der Dichterin - ein Frankfurt zeichnen in dem man gerne zu Hause
ist.