"Wann haben wir gemerkt dass wir in einem neuen Land leben? Und woran? Und wie lernen wir
gegen den Wind zu atmen der sich unheilvoll zusammenbraut und mit scharfen Böen in die Lungen
drückt?" 2024 startete ein ungewöhnliches literarisch-soziologisches Projekt. Mit Manja Präkels
Tina Pruschmann und Barbara Thériault wurden drei namhafte Autorinnen als
"Überlandschreiberinnen" ausgeschickt um die Stimmung in Ostdeutschland zu ergründen
verborgene gesellschaftliche Brüche und Kipppunkte sichtbar zu machen. Während Manja Präkels
gezielt zivilgesellschaftliche Initiativen und Brennpunkte in Brandenburg besuchte bereiste
Tina Pruschmann mit dem Fahrrad entlegene Regionen im sächsischen Erzgebirge. Barbara Thériault
heuerte als Lokaljournalistin bei einer thüringischen Zeitung an und Alexander Leistner folgte
mentalen Entwicklungslinien deren Anfänge teils noch vor 1989 zu verorten sind. So entstanden
literarische Reportagen über die Normalisierung rechtsextremer Strukturen und Narrative
bedrohte Kulturvereine und Gedenkstätten bizarre Infrastrukturprojekte in Ruinenlandschaften.
Über Menschen die wegsehen und schweigen und solche die tagtäglich ihr Bestes geben um im
tobenden Sturm der Umwertung aller Werte weiter gegen den Wind zu atmen.