Die nationalsozialistische Verfolgung bedrohte die deutschen Jüdinnen und Juden in sich
steigernden Formen durch soziale kulturelle und ökonomische Ausgrenzung Emigration oder
Zwangsumsiedlung Zwangsarbeit Deportation und Konzentrationslager. Auch ihre Erfahrung von
Raum und Zeit veränderte sich dadurch tiefgreifend. Jüdinnen und Juden waren mit einer immer
stärkeren Einengung des Lebens einem Mangel an Möglichkeiten ihre Zeit zu planen und zu
gestalten und den Schwierigkeiten des Wartens auf das Unbekannte konfrontiert. Wie gingen sie
mit dem Ausschluss aus der Öffentlichkeit um? Wie wurde ihr Gemeinschaftsleben neu organisiert
und welche Veränderungen fanden im Privaten statt? Wie wirkte sich ihre zunehmende Not auf die
Art und Weise aus wie sie den Lauf der Zeit erlebten? Ausgehend von privaten Zeugnissen
(Tagebücher Korrespondenzen und Memoiren) und öffentlichen Quellen (jüdische Zeitungen und
Zeitschriften) rekonstruiert und analysiert Guy Miron den gelebten Raum und die gelebte Zeit
während der NS-Verfolgung. So bietet sich ein neuer Blick auf das Leben der deutschen Jüdinnen
und Juden im Nationalsozialismus. Miron zeigt welche Strategien und Praktiken sie entwickelten
um mit der neuen Realität fertig zu werden um mit dem immer kleiner werdenden Zugang zum
öffentlichen Raum umzugehen und im Gegenzug den traditionellen jüdischen Raum gewissermaßen neu
zu erfinden neue Interpretationen der Vergangenheit zu schaffen und ihre Haltung gegenüber
ihrer deutschen Identität zu überdenken. Die sich dabei zugleich entwickelnden jüdischen Raum-
und Zeiterfahrungen bestimmten die existenziellen Horizonte und die Alltagspraxis der jüdischen
Gemeinschaft. Ihre Praktiken brachten dabei wie Miron zeigt die kontinuierliche Bindung der
deutschen Jüdinnen und Juden an Schlüsselelemente des deutschen bürgerlichen Habitus als auch
ihren Kampf um die Aufrechterhaltung jüdischer Handlungsfähigkeit und eines jüdischen
Widerstands unter der nationalsozialistischen Verfolgung zum Ausdruck.