Die Frage nach der Entwicklung des Kunstbegriffs ist - angesichts der zunehmenden Entgrenzung
der Genres Kunst der prognostizierten radikalen Transformation des Kunstverständnisses und der
Kunstproduktion durch die atemberaubenden Potentiale der KI der anhaltenden Diskussionen um
Zweck oder Zweckfreiheit der Kunst wie auch um grundlegende Defizite eurozentrischer
Diskurspositionen - virulenter denn je. Angesichts dessen stellt das Buch die provokante Frage:
Kann Kunst autonom sein? Durch alle kritischen Debatten zieht sich dabei wie ein roter Faden
ein Aspekt der seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Zentrum der modernen westlichen
Kunstkonzeption steht: das Ideal der Autonomie der Kunst. Soll Kunst nur sich selbst
verpflichtet sein nur den Kriterien die sie sich selbst gegeben hat? Oder hat sie gerade
heute eine gesellschaftspolitische Verpflichtung zu erfüllen soll sie - die Diskussionen um
die documenta 15 und die Aktionen des Zentrums für politische Schönheit legen davon beredt
Zeugnis ab - Stellung beziehen und nicht mehr nur reine Kunst sein? Kann sie heute noch ein
autonomes Feld für sich reklamieren oder ist dies nicht mehr zeitgemäß? Konnte sie es jemals?
Wie autonom kann Kunst überhaupt sein? Was heißt eigentlich ¿Autonomie¿ wenn wir von Kunst
sprechen? Und heißt ¿Autonomie¿ in der bildenden Kunst das Gleiche wie in der darstellenden
Kunst der Literatur oder den musischen Künsten? In Anbetracht der derzeitigen Entwicklungen
haben das Thema und die sich daran anschließenden Fragen weiter an Dringlichkeit und Aktualität
gewonnen. Das vorliegende Buch greift eben diese Dynamik auf. Dabei zeichnen sich die darin
versammelten Beiträge durch ihre interdisziplinäre Breite aus: Vertreter:innen aus Philosophie
Soziologie Medien- Musik- Literatur- Kunst- und Kulturwissenschaft aus Kunstkritik und
Kuratieren greifen die Thematik aus vielfältigen Perspektiven auf und entwickeln
fachübergreifend neue Perspektiven auch auf bislang unbeachtete oder marginalisierte Aspekte
zur Frage nach der Autonomie der Kunst.