Mitten in einem Berliner Mietshaus in Kreuzberg schildert Najet Adouani das Leben im Exil. Sie
beschreibt den Alltag ihrer Nachbarn - von der einsamen alten Schauspielerin die sehnsüchtig
auf eine Postkarte wartet bis hin zum kranken Nachbarn der jeden Tag auf einer Bank vor dem
Haus sitzt was einen einzigartigen Blick auf das Leben in der Großstadt bietet. Dabei fängt
sie präzise und einfühlsam die Vielfalt der Menschen in ihrer Umgebung ein von den kleinen
oft kuriosen Momenten bis zu den tragischen Aspekten des Lebens im städtischen Exil. Durchzogen
von Erinnerungen an ihre tunesische Heimat verweben sich in den Tagebüchern alltägliche
Beobachtungen mit poetischen Reflexionen. Adouani beschreibt die Kontraste und die
Herausforderungen des Lebens in einer armen multikulturellen Nachbarschaft und nimmt den Leser
mit auf eine Reise durch Kreuzberg das von Armut Drogensucht und Verwahrlosung geprägt ist
aber immer wieder auch von unerwarteten Momenten der Schönheit und des Staunens. Adouanis
Schilderungen wecken Empathie für die oft unsichtbaren verzweifelten aber auch resilienten
Menschen in ihrer Umgebung. Mit einer Mischung aus humorvollen melancholischen und
nachdenklichen Tönen wird der Leser eingeladen in eine Welt einzutauchen die von den kleinen
Geschichten der Menschen geprägt ist die das große Bild der Stadt ausmachen.