Das Grauen aus dem Epilog - ein büchernärrischer Junge (im Jahr 1959) im Begriff die ersten
Seiten von Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu lesen ... da ein Geräusch. Später findet ihn der Vater
mit ausgestochenen Augen und zerbrochenem Bleistift in den blutigen Händen im Korridor - gibt
die Ikonographie dieses atmosphärischen Krimis vor. Im Zentrum steht Vince Corso ein
freigestellter Studienrat mit einer bizarren neuen Profession: Er ist Bibliotherapeut. Mit
tausend Zweifeln empfiehlt er seinen Klienten die passende Lektüre quer durch die Genres
einmalig und originell um ihnen einen Ausweg aus ihren Leiden aufzuzeigen. Sein 'Pronto
Soccorso Letterario' befindet sich im Dachgeschoss der Via Merulana in Rom - genau die aus
Gaddas grässlicher Bescherung. Anfangs gibt er sich melancholischen Gedanken hin seine
geliebte Feng ist nach China abgereist nicht mal ein Haar von ihr ist ihm geblieben. Zurück
vom Feinkostbüdchen findet er sein Studio verwüstet die Bücher zerfleddert den Hund
vergiftet. In letzter Minute schafft es Vince mit Django in die Notaufnahme. Bohrende Fragen
nach dem Wer und Warum von so viel blinder Gewalt. Der Hund im künstlichen Koma banges Warten.
Zufällig oder weniger wird er Zeuge immer brutalerer Morde. Und stets taucht ein Blinder mit
rotweißem Stock auf der Szene auf. Vince setzt ihm nach wird unfreiwillig zum Detektiv. Längst
schon ist er im Handlungsgeflecht einer Mörderbande gefangen deren Versammlungsort die
Verliese unterhalb Santa Maria Maggiore sind. Auf der anderen Seite hat ihn der im
Abruzzen-Dialekt fluchende Kommissar Ingravallo auf die Liste der Mordverdächtigen gesetzt.
Fabio Stassi treibt ein raffiniertes Spiel in dem Literatur und Realität verschwimmen: Da
kullern Köpfe unter Straßenbahnen hervor wird reichen Damen in der Via Merulana die Kehle
aufgeschlitzt ein Häftling namens Queequeg schreibt an Vince aus der Haftanstalt Regina Coeli
französische Chansons geleiten uns durch die Kapitel und der melancholische Vince selbst ist
ein Suchender schreibt regelmäßig Briefe an den Vater den er nie kennengelernt hat. Ein
vielschichtiges Buch das Höchstspannung mit dem Vergnügen der literarischen Spurensuche
verbindet und die Leser durch seine dichte Atmosphäre in den Bann zieht. Und nicht zuletzt ein
Buch für alle die einem Rom jenseits der Klischees verfallen sind - auch eine Liste von Vince
Corsos Spaziergängen durch die Stadt ist zu finden. In jener Nacht Ende Juni so sagte Vince
Corso später aus habe er geträumt dass ein Schwarm Nachtfalter aus dem Portal der Basilika
Santa Maria Maggiore strömte und die Straßen Roms heimsuchte. Ein unwichtiges Detail aber es
war das erste was ihm einfiel als er sämtliche Ereignisse jenes Tages nacheinander erzählen
sollte. Er hatte damit beginnen müssen dass die Diebe zwischen Mittag und zwei Uhr nachmittags
in seine Wohnung eingedrungen waren und dass die Tür auf den ersten Blick keine Spuren von
Gewaltanwendung zeigte ...