In Zeiten wie diesen in denen die Festen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit weltweit
bedroht und erschüttert werden ist die Neuauflage des 1998 erschienenen Buches von Ludwig Biró
ein erschreckend aktuelles warnendes Zeitdokument. Denn es zeigt wie schnell und grundlegend
sich eine Zivilgesellschaft in neuen politischen Zeiten verändern kann. In seiner
Autobiografie schreibt der Rechtsanwalt Ludwig Biró (1898-1972) über das erstarrende jüdische
Leben in Graz den Einsatz an der Isonzofront während des Ersten Weltkrieges und die
allmähliche Verdunkelung des politischen Horizonts bis zum 'Anschluss'. Umfangreich widmet er
sich den Ereignissen rund um die Machtübernahme Österreichs durch die Nazis. Mit großer
Detailgenauigkeit und unbeeinflusst von den historischen Deutungen die sich in der
Nachkriegszeit durchsetzten berichtet Ludwig Biró von Opfern und Verfolgern Juden und Ariern
guten Freunden und machttrunkenen Nazis. Die Fülle an Material und Anekdoten seine auch
berufsbedingte Sachkenntnis und nicht zuletzt der bemerkenswerte Stil der Aufzeichnungen machen
Birós Memoiren zu einem wichtigen herausragenden und spannenden Zeitzeugnis.