★★★★★
k.A.
23.06.2026
ean-shopping.de
Ein absoluter Klassiker des Horrors und ein Meisterwerk von Stephen King, das man unbedingt lesen sollte.
Einiges an "The Shining" ist keine Überraschung. Zum Beispiel die für einen Horrorroman zur Zeit der Veröffentlichung enorme Länge von knapp 700 Seiten; (zu) lange Romane wurden dann später Kings Markenzeichen, inzwischen sind Horrorromane dieser Länge - King sei Dank - keine Seltenheit mehr. Auch die einzelnen Zutaten zum Roman sind klassische Genrekost und finden sich bei Shirley Jackson und anderen, frühen Autoren bereits in Fülle.King allerdings hat hier nicht nur die einzelnen Elemente stilsicher kombiniert und einen enorm spannenden Roman geschrieben; er hat nicht nur seinen Figuren, allen voran Jack Torrance, psychologische Tiefe und Glaubwürdigkeit verliehen. Vielmehr hat er bis tief in den Roman hinein Raum gelassen, Ereignisse entweder als übersinnlich oder aber als Folge einer psychischen Störung erklärlich zu machen. Jack Torrance, ein gewalttätiger Alkoholiker, der seine eigenen desolaten Verhaltensmuster in seiner Kindheit von seinem eigenen Vater vorgelebt bekommen hat, hat in seinem verzweifelten Bemühen um Verhaltensänderung fast etwas tragisches an sich. Er ist ein Mensch, der aus den Mustern seines Scheiterns ausbrechen will, doch braucht es hierzu seine ganze Kraft, vielleicht sogar mehr. Obwohl bei King die Kinder oft die Fehler der Eltern nicht nur erdulden und manchmal im wortwörtlichen Sinne überleben müssen, sondern diese oft genug selbst übernehmen, ist es doch gerade der fünfjährige Danny, der seinen Vater über alles liebt, ihn sogar, wie King wohl nicht ohne kleinen Triumph hervorhebt, sogar der Mutter vorzieht.Beim Lesen drängte sich mir der Eindruck auf, dass King in "The Shining" autobiographische Elemente verarbeitet hat, und vielleicht gerade darum ist Jack Torrance so vielschichtig und glaubwürdig.Ich habe nur einige Romane von King gelesen, aber dieser ist bislang mit Abstand sein bester. Und das hat neben den schon erwähnten Vorzügen auch und vor allem damit zu tun, dass er zwar lang, aber nicht zu lang ist. King rutscht oft in Geschwätzigkeit ab und füllt Seite um Seite, ohne dass es für die Handlung relevant ist. Als Leser habe ich oft einem Lektor die Macht gewünscht, sich gegen den Meister des Horror zu behaupten und die Werke zu kürzen. Auch gelegentlich viel zu lange Show-Downs sind leider wohl ein Markenzeichen von King. In "The Shining" aber entwickelt sich die Handlung gleichmäßig und folgt dabei ihrem eigenen Rhythmus. Längen sind mir beim Lesen nicht unangenehm aufgefallen, und der Höhepunkt des Buches zieht sich nicht über 200 oder mehr Seiten, sondern bildet tatsächlich den fulminanter Abschluß des Buches.