Es ist keine leichte Aufgabe, 400 Jahre habsburgischer Geschichte auf begrenztem Raum darzustellen. Wer von vornherein keine hohen Erwartungen an dieses Buch hat, der wird nach der Lektüre zu dem Schluss kommen, dass Michael Erbe seine Aufgabe im Großen und Ganzen gut gemeistert hat. Entsprechend der Zielsetzung, die allen Bänden aus der Reihe "Urban-Taschenbücher" eigen ist, bietet der Autor eine knappe Einführung, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Darüber sollte man sich als Leser von vornherein im Klaren sein. Erbe hat sich für eine konzise und schnörkellose Zusammenfassung des heutigen Kenntnisstandes entschieden. Darüber hinaus gehende Ambitionen und persönliche Akzentsetzungen lässt der Band nicht erkennen.Das Buch ist allenfalls für eine erste Annäherung an die Habsburger geeignet, nicht aber für eine vertiefte Beschäftigung. Genau genommen schildert das Buch Grundzüge der von den Habsburgern beherrschten Länder bzw. Territorien. Über die Dynastie als solche erfährt man hingegen nur wenig. Bedeutende Herrscherpersönlichkeiten werden zwar genannt, aber nur im Vorbeigehen charakterisiert. Ein bereits kundiger Leser lernt daher nichts Neues über Karl V., Philipp II., Leopold I., Maria Theresia und andere herausragende Vertreter der Dynastie. Die Darstellung ist ereignis- und politikgeschichtlich angelegt und geht über ein Referat von bekanntem Handbuchwissen nicht hinaus. Das Buch ist für Habsburg-Neueinsteiger informativ und größtenteils gut lesbar. Mitunter stört die Neigung des Autors zu ellenlangen Bandwurm- und Schachtelsätzen. Mir sind etliche Sätze untergekommen, die 60, 70 und noch mehr Wörter umfassen. Muß denn das sein? Alles in allem solide Durchschnittsware, die drei Sterne verdient.