Das Ende verschwindet. Was beginnt stattdessen? Seit Jahrhunderten beschäftigt sich der
Mensch mit der Endlichkeit seiner Existenz doch wie gehen wir eigentlich mit der Idee der
Endlosigkeit um die sich in unseren Alltag schleicht? Die Digitalisierung verändert nicht nur
wie wir arbeiten kommunizieren oder konsumieren - sie verändert auch wie wir denken: Sie
entfernt das Konzept eines Endes. Früher gingen wir ins Kino heute streamen wir endlose
Serien. Früher maß die Uhr die Zeit heute trackt die Smartwatch unser Leben. Früher klingelte
das Festnetz heute die Handys in der U-Bahn. Früher besaßen wir Fotoalben aus Papier heute
speichern wir in Clouds. Statt klarer Grenzen erleben wir eine fragmentierte Gegenwart in der
jedes Stück Zeit sofort von Neuem überlagert wird. Alles ist verfügbar jederzeit überall.
Packend und anschaulich zeigt Roland van der Vorst wie sich unsere Wahrnehmung von Zeit und
Raum in den letzten zwanzig Jahren verschoben hat - und wie wir lernen den digitalen Bann zu
durchbrechen. 'Die Hartnäckigkeit der Maschine ist fast zu einer Selbstverständlichkeit
geworden. Niemand wundert sich mehr dass er oder sie endlos in die digitale Welt hineingezogen
wird. Als Nutzer stehe ich nicht mehr am Ende einer Linie sondern bin Teil einer Schleife ohne
Ende. Habe ich in einem Hotel übernachtet und gefrühstückt ist es damit nicht getan. Ich werde
gebeten eine Bewertung abzugeben und damit Teil des Marketingsystems des Hotels das mich
weiterhin mit Angeboten bombardiert. In meiner Mailbox finde ich immer noch E-Mails von dem
Hotel das ich vor zwei Monaten nach einem Zwischenstopp in Frankreich verlassen habe. Würde
mich der Hotelbesitzer jede Woche anrufen hätte ich seine Nummer blockiert. Selbst nach meinem
physischen Tod kann ich digital weiterleben. Facebook hat mindestens dreißig Millionen Konten
verstorbener Mitglieder. Wenn das so weitergeht wird die Plattform 2069 mehr Tote als Lebende
haben. All diese Verstorbenen erhalten weiterhin Posts und Updates.'